An alle Journalisten-Dumpfbacken: Ich bin deutscher Muslim und bin nicht in „euer Land“ gekommen


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Ich bin Ende der 80er in Bremen geboren. Mein Vater lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Deutschland, ein Hamburger Kind. Meine Mutter ist gebürtige Deutsche aus einer rein deutschen Familie, aufgewachsen im Ruhrgebiet. Einer meine Urgroßväter, ein hochdekorierter Offizier der Wehrmacht, fiel im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Meine Urgroßmutter hörte monatelang jeden Abend die Gefallenenmeldungen im Rundfunk, das Schicksal ihres Ehemanns war lange ungewiss, meine Oma erzählt noch heute davon. Meine Eltern machten hier ihr Abitur, studierten anschließend. Zuhause sprachen meine Eltern mit uns drei Kindern fast ausschließlich Deutsch, ebenso wir Geschwister untereinander. Ich beherrsche das Deutsche besser als die Mehrheit in diesem Land, kenne mich in Kultur, Geschichte und Politik aus. Auch ich habe hierzulande mein Abitur, Zivildienst und Studium absolviert. Ich bin mit einer gebürtigen Deutschen verheiratet, die selbst deutsche Vorfahren hat. Die Ahnen meiner Tochter erstrecken sich über die halbe Welt, aber die meisten Zweige verlaufen in Deutschland.

Jedoch bin ich mit einem Makel gezeichnet, einem unverzeihlichen in euren hasserfüllten Journalisten-Augen: Ich bin Muslim. Kein Wahhabit, der mit langem Zottelbart von der Hölle für Nichtmuslime schwadroniert. So einen Muslim habt ihr gern, insgeheim liebt ihr ihn, weil er eure Klischees perfekt bedient, weil er euer Schoßhund ist. Und ich bin auch kein „liberaler Muslim“, den ihr als „aufgeklärt“ bewerbt: Ich versuche, die Gesetze der Religion einzuhalten. Ich bete, faste, nehme an Veranstaltungen nicht teil, in denen Alkohol getrunken wird, stelle mich gegen Unterdrückung des Westlichen Imperiums in der Welt – und ja: Ich gebe dem anderen Geschlecht nicht die Hand. Und ich werde, so Gott will, auch meine Kinder im Islam erziehen. Ich weiß: Euch Propagandisten ärgert das über alle Maßen.

Deswegen propagiert ihr permanent: „Wer in unser Land kommt …“, oder aktuell: „Handgeben ist notwendiger Schritt zur Integration“ – selbst wenn ihr keine Schweizer seid. Jeden Tag muss ich diesen Unfug in euren Leitartikeln lesen. Ich bin also in euer Land gekommen und verweigere mich der Integration? Armselig ist euer Weltbild. Noch mal zum Mitschreiben: Ich bin nicht in euer Land gekommen, das hier ist mein Land. Schreibt mir nicht vor, wo meine Heimat liegt oder wessen Kultur ich zu akzeptieren habe. Die Mehrheit würde das fordern – na und?! Seit wann entscheidet die Mehrheit, wie ich zu leben habe? Bedauernswert seid ihr, die ihr das Grundgesetz in der Schule nie gelernt habt. Dafür wisst ihr aber, wie ihr den Wahn des Westimperiums täglich in eurer Schmiere zu verteidigen habt. Von US-indoktrinierten „deutschen“ Journalisten-Puppen lasse ich mir nicht meine Kultur diktieren.

Und auch wenn ich euer Klischee-Mustermuslim wäre, der just gestern aus Marokko eingewandert ist, Frauen nicht die Hand gibt, sie aber dafür angeblich regelmäßig begrapscht: Ist das Handgeben und Schweinefleischfressen euer höchstes Kulturgut? Oder ist es euer letztes Gut, an das ihr euch erinnert? Was ist bloß aus dem Land der Dichter und Denker, der freien Wissenschaft und der Hochkultur geworden. Aber ich bin sicher, dass ihr noch nicht am Tiefpunkt eures Niveaus angekommen seid. Was haltet ihr davon, muslimischen Schülern Alkohol mit Gewalt einzuflößen? Oder Kopftuch-Herunterreißen am Pranger auf dem Wochenmarkt? Zwangsernährung mit Schweinefleisch, exklusiv für muslimische Kinder im Kindergarten – zur besseren Integration, versteht sich.

Ihr habt Angst, dass wir Muslime das Land übernehmen? Blödsinn, habt ihr nicht. Ihr braucht nur eine Minderheit, gegen die ihr eure unbedarften Leser aufhetzen könnt.

Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Vermutlich habt ihr recht mit eurer Propaganda, ohne dass ihr es ahnt. Eure Urenkel könnten Muslime sein. Nicht, weil ich mir das für mich wünschen würde oder für meine Nachfahren. Ich wünsche es für euch und eure Nachfahren. Denn der Islam ist die Errettung der Menschen vor dem Übel. Dem Übel, das ihr heute mehr auslebt als jemals zuvor. Und auch ihr werdet dankbar sein, dass eure Nachfahren sich von eurer Propaganda nicht beirren ließen und nachgeforscht haben, was der Islam ist. Daran werden all eure Hetzschriften nichts ändern.


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