Antisemitismus – Perspektivwechsel


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Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) spricht in einem Dossier, dass Antisemitismus heutzutage vor allem in der islamischen Welt zu finden sei. Palästinensische Kinder z.B. würden schon von klein auf so erzogen, dass sie Juden hassen. Ist das so? Hassen Muslime im Nahen Osten die „Juden“? Oder welches Spiel spielt die bpb?

In Europa herrschte damals noch eine große Diskriminierung gegenüber Menschen jüdischen Glaubens, das sich Jahrhunderte lang zurückverfolgen lässt bis zum Mittelalter. Und genau dasselbe soll es angeblich nun im Nahen Osten geben.

Was die bpb dabei nicht beachtet, der Begriff Jude hat hier zwei unterschiedliche Bedeutungen. Wenn sich ein Palästinenser über „die Juden“ beschwert, weil diese ihn aus seinem Haus vertrieben haben, seine Familie terrorisiert, seine Stadt bombardiert und vieles weitere mehr, dann ist das nicht vergleichbar mit einem Nazi im Jahre 1938, der sich über seine jüdischen Mitbürger aufregt, weil diese ihm angeblich seinen Arbeitsplatz streitig machen, diese für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich macht und als Parasiten der Gesellschaft sieht.

Wenn ein Palästinenser sagt, er verteidige sich gegen „die Juden“, dann verbindet er was ganz anderes als der Nazi im Dritten Reich, weil die Erfahrung eine ganz andere ist. Der eine hat eine Verachtung entwickelt, infolge von Krieg, Besatzung, Vertreibung und Demütigung, indes der andere seine Schuld auf andere schieben wollte, um seine Identität zu wahren.

Die bpb kann nicht so naiv sein und den europäischen Antisemitismus von damals einfach so in den Nahen Osten exportieren, ohne die Randbedingungen zu beachten. Hinzukommend ist die Geschichte der jeweiligen Orte. In Palästina lebten jahrelang Juden, Christen und Muslime friedlich nebeneinander ohne das ein angeblicher Antisemitismus zu finden war. Sicherlich gab es hier und da irgendwo eine Diskriminierung, die jedoch vom Ausmaß her nicht mit der in Europa vergleichbar wäre.

Diese Missdeutung wird von den Zionisten jedoch bewusst eingesetzt, um die Gräueltaten von Israel rechtfertigen zu können. Der Antisemitismus dient den Zionisten als Waffe gegen jeden Israelkritiker. Kein anderer Staat würde so viel Unterstützung von den mächtigsten Verantwortlichen bekommen, wenn sie diese Waffe nicht besäßen. Immer wenn jemand Israel wegen seiner Besatzungs-, Siedlungs- und Apartheidspolitik kritisiert, kommt diese Antisemitismus-Waffe zum Einsatz.

In der arabischen Welt findet seit geraumer Zeit eine Diskursdebatte statt, dass man nicht mehr von „den Juden“ spricht – die sowieso nicht gemeint sind, da es auch viele Juden gibt, die sich entschlossen gegen Israel stellen -, sondern von „den Zionisten“. Nicht um einen angeblichen Antisemitismus zu verbergen, vielmehr um die Leute, die diese menschenverachtende Politik betreiben beim Namen zu nennen und nicht zeitgleich die wahrhaften Juden – die sich nicht dem Zionismus zuschreiben – mit den Zionisten in einem Topf zu werfen.

Erschreckend hierbei ist, das selbst die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) weiterhin von einem steigenden Antisemitismus im Nahen Osten spricht, anstatt die steigende weltweite Ablehnung gegenüber dem Zionismus zu beachten. Hier versucht die bpb mit der Diskussion über einen angeblichen Anstieg des Antisemitismus im Nahen Osten, vor der steigenden Ablehnung gegenüber dem Besatzerstaat Israel ablenken.


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