Aschura 1438 – Zeit für einen Neuanfang


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Noch wenige Tage bis die Lichtgestalt der Freiheitsrevolution, Imam Hussain (a.), in die Gotteshäuser der muslimischen Gemeinden herabsteigt und sie mit neuem Glanz erhellt. Jener Mann, der mit wenigen Freunden und Angehörigen Widerstand leistete, gegen den Tyrannen seiner Zeit. Angetrieben von der Liebe zur Wahrheit marschierte er mit seinen Gefährten durch die heiße Wüste nach Kerbala, um die Religion der Barmherzigkeit, die Religion seines Großvaters und Propheten Muhammad (s.), aus den Klauen eines Despoten zu befreien und der Falschheit entschlossen entgegenzutreten.

Stets kämpften die Propheten und Bevollmächtigen Gottes um der Liebe zur Wahrheit willen. Mit tiefsinnigen Gleichnissen zieht die Geschichte die Aufmerksamkeit auf sich und versetzt den Leser in ehrfurchtsvolles Staunen. Der menschliche Verstand gelangt an die Grenze seines Erkenntnisvermögens. Vielleicht ist die Geschichte von Aschura die einzige, in der die Attribute der Liebe, Tapferkeit und Treue so gewaltig nach außen traten und Mensch wurden. Die Revolutionäre jener Tage waren darum bemüht, die Menschen aus dem tiefen Schlummer der Lethargie zu wecken und sie zu ermahnen. Letztlich machten sie den Menschen aber deutlich, dass das Ziel der Schöpfung nicht darin besteht, verantwortungslos durch die Gegend zu streifen und dem Feind damit alle Freiheiten zu gewähren. Vielmehr ist der Tod in Würde der Erniedrigung vorzuziehen.

Aschura lebendig halten  

Wie üblich füllen sich die schiitischen Gemeinden traditionsgemäß in den zehn heiligen Tagen von Muharram. Die Vereinsräume erblühen im Lichte der vergossenen Tränen. Von welch unschätzbarem Wert das jährliche Abhalten der Trauer- und Gedenkreden für die schiitischen Gemeinden zum Muharram ist, lässt sich wohl kaum beschreiben. Niemals sollten wir die wenigen, treuen Anhänger der Gesandtenfamilie vergessen, die mit ihren Trauerriten das Leid der gefallenen Helden am Leben hielten und mitunter selbst das Leben verloren. Zu keiner Zeit dürfen wir die Wichtigkeit von Aschura untergraben, weil einige wenige die Tage dafür nutzen, Exzesse vernunftloser Selbstgeißelung zu veranstalten.

Der falsche Weg

Dieser Artikel richtet sich an alle, die Liebe für Imam Hussain empfinden, ihm folgen, und die Zeit der Trauer und Besinnlichkeit dazu nutzen wollen, um über ihren eigenen Schatten zu springen. Er ist für jene gedacht, die mit der Vergangenheit abschließen und sich bessern wollen, mag der Schritt noch so klein sein. Doch ändern wir uns nicht dadurch, dass wir zeitweise um Hussain (a.) trauern, uns die Mägen vollstopfen und den Gemeinderaum hinterher verlassen, als wäre ein Wirbelsturm hindurchgefegt. Ebenso wenig, indem das tiefsinnige Schlagen auf die Brust in unseren Räumen zu einem Überbietungswettbewerb in Härte und Angeberei ausartet. Wir erweisen Zaynab (a.) keine Ehre, wenn wir Handykameras aus den Taschen zücken, Videoaufnahmen und Bilder von Männern knipsen, die mit halbnacktem Oberkörper Rituale durchführen, die in diesem Land absolut nichts verloren haben.

Lehren aus den Ereignissen ziehen

Die wahre Liebe offenbart sich uns erst, wenn wir anfangen, die Worte und Taten dieser heiligen Persönlichkeiten zu studieren und sie in die heutige Zeit zu übersetzen. Indem wir uns bewusst werden, dass der Einsatz für Gerechtigkeit mit dem Tod von Hussain (a.) nicht zu Ende ging, sondern dort seinen Anfang nahm. Indem wir begreifen, dass der Kampf nicht mit dem Schwert beginnt, doch mit dem Buch in der Hand. Das Wissen geht dem Handeln voraus. Blinder Gehorsam widerstrebt der islamischen Denkweise und ist immer negativ. Wir stehen in der Pflicht, die Ideale hochzuhalten, den langwierigen Kampf fortzuführen gegen die Despoten dieser Zeit.

Alle Anstrengung ist außerdem vergebens, wenn das Kleid der Gottesfurcht abgelegt wird. Denn mit der Gottesfurcht wächst die Gotteskenntnis. Ist diese nicht vorhanden, werden wir nicht begreifen, was es heißt, wenn ein Hussain (a.) im Zustand des Todes sagt: „O Gott, ich verließ die gesamte Schöpfung aus Liebe zu dir und ließ die Kinder als Waisen zurück, um dich zu erblicken. Würden sie (die Feinde) mich zerstückeln, so würde sich das Herz zu keinem anderen richten, außer zu Dir.“ Wir werden nicht verstehen, was in Zaynab (a.) vorgeht, wenn sie die blutigen Leichen ihrer Söhne betrachtet und entgegen den Erwartungen zu Ibn Ziad spricht: „Ich sah nichts außer Schönheit.“ Zu diesen hohen Stufen der menschlichen Vollkommenheit gelangt der Mensch nicht von heute auf morgen. Der Weg ist gezeichnet durch Höhen und Tiefen. Erfolgreich ist derjenige, der immer wieder aufsteht und zu Gott zurückkehrt. Wer stehen bleibt, der geht zugrunde! Mit Beginn der heiligen Nächte sollten wir gute Vorsätze fassen und mit Weitsicht und Geduld ihnen nachgehen.

Tugendhafte Vorbilder

Um die Lehren von Aschura am Leben zu halten, brauchen wir ein gutes Vorbild, einen lebenden Hussain (a.), der uns inspiriert, motiviert und unser Denken und Handeln in eine gezielte Richtung lenkt. Es versteht sich von selbst, dass der Besitz von materiellem Reichtum nicht der Maßstab dafür sein sollte, ob ein Mensch als Vorbild geeignet ist oder nicht. Das wahre Vorbild wird an seinen Tugenden erkannt. Er ist unbeugsam in seinen Überzeugungen und neigt sich nicht den Interessen machthungriger Politiker. Er folgt der Linie der Propheten (s.) und Bevollmächtigen und trägt ihr Erbe weiter. Als Freund des Friedens und der Gerechtigkeit sorgt er sich um das Wohl der anderen. Die Maßhaltung zieht er dem ausschweifenden Lebensstil vor. Seine Lebensführung ist in allen Hinsichten der Nachahmung würdig. Mit Vernunft und Weitsicht wirst du ihn erkennen. Ein solches Vorbild wird dir helfen, in harten Zeiten geduldig zu bleiben und in guten Phasen Gott zu danken für seine unendliche Wohltätigkeit und Güte.

Fazit

Die Tage von Muharram sind von großer Bedeutung und unschätzbarem Wert. Hur ibn Yazid al-Riyah wechselte im allerletzten Moment seines Lebens die Seiten, schloss sich dem Imam seiner Zeit an. Nach gründlicher Überlegung fasste er einen Entschluss, nahm sich Hussain (a.) als Anführer und Vorbild, und zog die Wahrheit der Falschheit vor. Das Beispiel von Hurr ist ein Segen für die gesamte Menschheit. Mit der Kehrtwendung zeigte er der Welt, dass das Hier und Jetzt immer der ideale Zeitpunkt für Reue und Rückbesinnung ist. Jetzt sollte ich mir meiner Endlichkeit bewusst werden und den wahren Zweck meines Daseins erkennen. Doch brauche ich eine Richtschnur, ein lebendes Vorbild, an dem ich mich orientiere, um nicht zurückzufallen. Eine Person, die die gleichen Überzeugungen mit mir teilt, mir Ratschläge und Anweisungen erteilt, die dem Weg der menschlichen Vollkommenheit dienlich sind. Unter seinem Banner müssen wir uns vereinen. Unter seiner Flagge müssen wir dem Ruf Hussains nach Frieden nachgehen. Im letzten Moment hat Hurr ihn erkannt, ihm treu und tapfer zur Seite gestanden. Erkenne auch du ihn und folge seiner Linie. Folge dem Befehl Gottes und kehre endlich zu Ihm zurück, auf dass Er dir deine vergangene und künftige Schuld vergebe (48:2).


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