Ayatullah Sistani: Sadiq Schirazi kein Mardscha


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Es gefällt dem angloamerikanischen Imperialismus nicht, wenn ihre Intrigen durch große Gelehrte des Islam durchkreuzt werden. Aber vor allem der Monat Ramadan ist auch eine Konfrontation mit dem Unrecht auf dieser Erde, fastet doch der bewusst Fastende auch, um gegen den kapitalistisch bedingten Hunger zu demonstrieren.

Großayatullah Sayyid Ali as-Sistani stammt aus Maschhad und ist inzwischen 86 Jahre alt. Gott schenke ihm Gesundheit und schütze ihn! Insbesondere das Gebet zu seinem Schutz ist von großer Bedeutung, denn er lebt im Irak unter schwierigen Bedingungen. Das kann allein daran ersehen werden, dass in einer Zeit, in der es über jeden Gelehrten unzählige tagesaktuelle Videos seiner Originalaussagen gibt, Ay. Sistani sehr selten gesehen und gehört werden kann. Dennoch sind seine Zuneigung zur Islamischen Republik Iran und zu Imam Chamene’i außer Zweifel und seit vielen Jahren bekannt [1]. Manche Gelehrte unter Ay. Sistanis Anhängern erzeugen hierbei leider Missverständnisse.

Ay. Sistani gehört zu der Gruppe der bescheidenen Großgelehrten, die ihre herausragende Ausbildung und Lehrbefähigung nicht an die große Glocke gehängt haben. Erst als sein eigener Lehrer, Ay. Chui, zu Gott zurückgekehrt ist, hat er die Verantwortung geschultert. Er gehört zweifelsohne zu den größten Gelehrten unserer Zeit und stand zu Zeiten des vom Westen gestützten Saddam zumeist unter Hausarrest. Mehrere Versuche der Westlichen Welt, ihn als eine Art „Gegenspieler“ von Imam Chamene’i zu etablieren, sind gescheitert, da er sich dafür nicht instrumentalisieren ließ. Immer wieder haben England-basierte „Nachrichten“ Lügen über die angeblichen Zwistigkeiten zwischen ihm und Imam Chamene’i konstruiert und die Lüge in die Welt verbreitet [2]. Sie fanden aber wenig Gehör bei wachsamen Muslimen. Denn ganz im Gegenteil hat Ay. Sistani immer wieder herausragende Aussagen zur Islamischen Republik Iran und zu Imam Chamene’i veröffentlicht. Und Imam Chamene’i hat z. B. im Jahr 2004, als Ay. Sistani schwer erkrankt war, öffentlich um seine Genesung gebetet und ihm eine Grußbotschaft gesendet [3]. Besondere Aussagen Ay. Sistanis über die Statthalterschaft des Gelehrten (Wilayat-ul-Faqih) lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Ay. Sistani mit Leib und Seele gegen die imperialistischen Spaltungsversuche agiert. So sprach er zu iranischen Besuchern: „Ihre heutige Macht gründet auf die intelligente Führung des islamischen Iran. Die aktuellen Probleme des Iraks rühren aus der Abstinenz einer Führung wie der seiner Exzellenz Ayatullah Chamene’is. Wisst euer geliebtes Oberhaupt zu schätzen. Ich bete jeden Tag für ihn.“ [4]

Die extrem schwierige Situation, in der sich Ay. Sistani befindet, kann unter anderem daran ersehen werden, dass viele seiner Aussagen lediglich als mündliche Überlieferungen vorliegen. Das ist kein Wunder angesichts der Tatsache, dass keine Ton- und Filmdokumente über ihn veröffentlicht werden, nicht einmal von seinen Anhängern und nahen Vertrauten, was immer die Gründe dafür sein mögen.

Seit wenigen Tagen geistert solch eine mündliche Aussage durch das Internet, die von einer Vertrauensperson zur nächsten Vertrauensperson weitergegeben wird, ohne die ursprüngliche Quelle (angeblich aus Sicherheitsgründen) zu nennen. Demnach soll Ay. Sistani erst jüngst gesagt haben: „Würde das heilige System in der islamischen Republik Iran Schaden bekommen, würde von der (wahren) Schia keine Spur übrigbleiben. Und würde einem Haar auf dem Kopf Imam Chamene’is Schaden zugefügt werden, dann würden es keine Amamas (Turbane) auf unseren Köpfen mehr geben.“ Die Aussage ist so sensationell, dass die Anhänger der revolutionären islamischen Befreiungstheologie jubeln und es in sozialen Netzwerken verbreiten [5], während die Gegner sicherlich schon bald behaupten werden, dass die Aussage eine Lüge sei. Eine klärende Filmaufnahme wird es sicherlich nicht geben, weder für die eine noch für die andere Seite.

Anders aber sieht es bei einer Aussage Ay. Sistanis zu den britisch finanzierten so genannten Schirazis aus. Jene vom Imperialismus getragene Bewegung versucht seit Jahren Ay. Sistani zu vereinnahmen und als gemeinsamen Frontgänger gegen die Islamische Revolution im Iran zu positionieren. Kopf jener Bewegung ist der in Qum frei auftretende Sadiq Schirazi, den seine Anhänger „Großayatullah“ nennen. Während Mitstreiter im Ausland jegliche Grenzen des Anstandes und der islamischen Moral überschritten haben und nur noch damit auffallen, gegen andere zu hetzten, versuchen die Schirazis im Iran den Anschein zu erwecken, als wenn sie mit jenen Fanatikern im Ausland nichts zu tun hätten. Doch die Versuche, Ay. Sistani zu vereinnahmen, scheitern genau an ihm selbst.

Anfang Juni besuchte der bekannte iranische Journalist Dr. Vahid Yaminpour in Anwesenheit mehrere Zeugen Großayatullah Sistani. Er ist im Iran sehr bekannt als Kommentator und Journalist und hatte auch eine Talkshow im iranischen Fernsehen IRIB. Er betreibt einen sehr beliebten Blog [6]. Seine Gegner betreiben in Facebook eine Seite namens I hate Vahid Yaminpour! [7]Allein schon aufgrund dieses hohen Bekanntheitsgrades kann er es sich gar nicht leisten, irgendwelche Geschichten zu erfinden, zumal auch Zeugen anwesend waren!

Er berichtete nach seiner Rückkehr im iranischen Fernsehen (im April 2015): „Am Samstag waren wir bei Ayatullah Sistani zu Besuch. Unsere Gespräche kreisten um das Thema Extremismus. Wir haben ihn über die vielen TV-Sender befragt, die Sadiq Schirazi in die ganze Welt ausstrahlt. Dazu hat Ay. Sistani Folgendes gesagt: ‚Ich habe mir einige seiner Reden angehört. Das, was er den Menschen erzählt, ist nicht vernünftig (bzw. vom Verstand getragen).‘“

Daraufhin hat sich Dr. Yaminpour über die Beschwerden einiger Gelehrter erkundigt, warum man Sadiq Schirazi als Vorbild der Nachahmung [mardscha-ul-taqlid] vorstellen würde. Ay. Sistani antwortete: „Er (Sadiq Schirazi) hat kein Recht, sich Vorbild der Nachahmung zu nennen.“

Ay. Sistani wies auch darauf hin, dass einstmals einige seiner eigenen Schüler zur Weiterbildung in Qum waren und dort von den Schirazis ein Gehalt erhalten haben. Seit aber die Stellung Ay. Sistanis zum Thema klar wurde, würden jene Schüler kein Geld mehr erhalten. Ay. Sistani wies darauf hin, dass sich die Gegner der Islamischen Revolution unter jenem Dach der Schirazis versammelt hätten und die Situation in eine ausweglose Sackgasse gemündet ist. Wortwörtlich sagte Ay. Sistani: „Sie haben (die Trauer um) Imam Husain (a.) in eine Art Überbietungswettbewerb verwandelt …“

Die türkischsprachige Agentur „Islamische Einheit“ hat diese Meldung sofort ins Türkische übertragen. [8]

Aufgrund des Bekanntheitsgrads des Augenzeugen können die Schirazis in diesem Fall nicht so einfach dagegen vorgehen. Sicherlich werden sie entweder Dr. Yaminpour der Lüge bezichtigen oder die ganze Angelegenheit einfach ruhen lassen, bis die Leute es vergessen haben. Die fanatischsten Anhänger jenes Schirazis waren noch nie mit vernünftigen Argumentationen zu überzeugen, denn ihre Einstellung beruht nicht auf Vernunft, sondern auf Hass.

Fakt ist also, dass die von den angloamerikanischen Propagandisten gewünschte Front gegen Imam Chamene’i gar nicht existiert, sondern vielmehr Herr Schirazi isoliert ist. Prompt versuchen die Imperialisten, mit ihren Lügenapparaten „zurückzuschießen“. Erst gestern verbreiteten einige ganz offen vom Zionismus gesteuerten Medien die „Nachricht“, dass der außenpolitische Berater Imam Chamene’is, der langjährige Außenminister Velayati, die Iraker dazu aufgefordert hätte, unter die Herrschaft Imam Chamene’is zu kommen und dieses nur durch den Widerstand Ay. Sistanis verhindert würde [9]. Die gestrige Lügengeschichte ist deshalb so erstaunlich, weil jene Rede von Velayati immerhin einen Monat zurückliegen soll. Offensichtlich sind sich die Zionisten der Brisanz bewusst, die ein noch engerer Schulterschluss zwischen Ay. Sistani und Imam Chamene’i für die Imperialisten und Kolonialisten bedeuten würde.

Ein Vorbild der Gott Liebenden namens Sayyid Hassan sagte einstmals: „Wenn alle Gelehrten in eine Richtung gehen und Imam Chamenei geht in die andere Richtung, dann folgt Imam Chamenei.“ Imam Chamene’i geht nie alleine, aber Schirazis gehen in eine andere Richtung.

Der Monat Ramadan ist auch ein Monat des Widerstandes, des Widerstandes gegen die inneren und äußeren Feinde der Menschlichkeit. Sie werden heute angeführt vom kapitalistisch-imperialistischen Weltsystem. Für uns bedeutet das, dass wir über von Kolonialisten gesetzte Grenzen hinweg die Einheit der Muslime anstreben, an der Seite aller Unterdrückten der Welt stehen und die Intrigen der Imperialisten so offenlegen, dass nur noch diejenigen darauf hereinfallen, deren Herzen von Hass vergiftet sind. Es bleibt die ewige Wahrheit: Wahre Liebe ist stärker als aller Hass. Der Monat Ramadan ist der Monat der Reinigung der Herzen, damit die reine Liebe unbefleckt aus unseren Taten strahlen kann.

Nachsatz vom 18.6.: In einem weiteren Artikel stehen noch Details und wortgetreue Übersetzungen der Aussagen direkt aus dem Persischen sowie eine Analyse der Einwände.

[1] http://irananders.de/nachricht/detail/492.html
[2] https://www.alaraby.co.uk/english/politics/2015/11/10/shia-split-sistani-and-khamenei-clash-over-iraqs-future
[3] http://english.khamenei.ir/news/636/Leader-Prays-for-Ayatullah-Sistani-s-Immediate-Recovery
[4] http://islamisches-erwachen.de/grossayatullah-sistani-ich-bete-jeden-tag-fuer-ihn/
[5] https://www.facebook.com/718870938284744/photos/pcb.893918944113275/893918840779952
[6] yaminpour.ir
[7] https://www.facebook.com/127136540640772/photos/a.149586078395818.26219.127136540640772/127137923973967/
[8] http://islamivahdet.com/ayetullah-sistaniden-sadik-sirazi-hakkinda-aciklama/
[9] http://eliasbejjaninews.com/2016/06/16/memri-iranian-supreme-leader-khameneis-advisor-ali-akbar-velayati-and-associate-tells-shiite-clerics-in-iraq-u-s-is-plotting-to-divide-iraq-and-syria/


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