Bin ich ein Mörder?


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„Die Ermordung eines Mannes des Wissens, ihn zum Schahid zu machen, der das Gute gebot und das Schlechte verwehrte, und der sich für die Ehre der Religion einsetzte, ist zweifellos ein Verbrechen, ein gewaltiges Verbrechen“ (Imam Chamene’i).

Nachdem ich diese Aussage Imam Chamene’is gelesen habe, musste ich mir selbst die Frage stellen, ob ich nicht vielleicht auch ein Mörder bin.

Es gibt heute nicht viele Menschen, die sich für das Recht und die Wahrheit einsetzen und das Gute gebieten und das Schlechte verwehren. Doch wenn ich einen solchen Menschen kenne, der sich für den Islam und für die Menschen einsetzt, der für Nächstenliebe sein Hab und Gut, seine Zeit und seine Möglichkeiten opfert, dann muss ich diesem Menschen mein Herz anbieten und ihm die Hand ausstrecken, ihm damit sagen, dass ich ihm zu Diensten stehe.

Aber statt dass ich so handle, erlaube ich das Schlechte, Neid und Ablehnung in mein Herz eindringen zu lassen und agiere noch so, als wäre mein Gegenüberstehender eine Konkurrenz zu meiner islamischen Aktivität.

Allah hat im Koran befohlen, dass wir wetteifern sollen um die guten Handlungen, aber eine gute Handlung bedarf einer guten Absicht und die gute Absicht ist, mich zu freuen, wenn jene aktiven Geschwister Erfolg haben, oder wenn jene Geschwister mir den Weg erkennbar gemacht haben und mir damit dienlich waren. Aber was hat das alles mit der Aussage Imam Chamene’is zu tun?

Nun ja, die Geschehnisse der letzten Zeit rufen in jedem von uns etwas auf, manche definieren dies als Stimme und andere als Gewissen und wiederum andere als Geist Gottes, der sich wehrt gegen die Personifikation des Ichs. Dieses ICH möchte ich heute den Saudi in mir nennen, den Saudi, der Scheich Nimr ermordete und dazu beiträgt, andere Völker zu unterdrücken und Freund mit jenen zu sein, die morden und rauben. So ist das ICH des Menschen, strebend nach gieriger Macht, gefüllt mit Neid und Hass, ohne Verständnis für andere und immer die göttliche Liebe verkennend.

Der Geist in mir ist wiederum der Geist der Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, der Geist der immer lauter schreit und den ich durch meine Handlungen verstummen lasse.

Während ich diese schreiende Stimme immer mehr unterdrücke, versucht diese Stimme von außen mit mir zu kommunizieren, durch andere, durch Scheich Nimr und Scheich Zakzaki, durch Palästina, Jemen, Syrien und Irak. Durch das Leid der Armen und Hungrigen dieser Welt, mit der Hoffnung, dass ich wach werde und mein Ego endlich zur Seite werfe.

Diese aufschreiende Stimme der Gerechtigkeit ruft zur Befreiung auf und ich unterdrücke sie, weil ich andere Ziele als relevanter einstufe, Ziele, die nur Futter meines immer größer werdenden ICHs sind.

Je verstärkter ich das Verbrechen begehe diese Stimme zu töten, um so lauter wird sie durch Menschen, die großes Leid empfinden. Kann es sein, dass ich ebenfalls schuldig bin am Schmerz?

Dieses Schreien dieser göttlichen Stimme hat sich diesmal durch das Martyrium Scheich Nimrs bemerkbar gemacht und durch die Inhaftierung des geehrten Scheich Zakzaki. Wenn ich nicht anfange mich zu befreien, so werde ich zu jenen gehören, die von der Heiligkeit unserer Zeit zu den Verbrechern unserer Zeit gezählt werden. Was wäre schlimmer als das?

Es kann nicht sein, dass ich als Muslim und Liebender heute in eine Falle des Teufels falle, eine Falle, die von seinen Anhängern vertreten wird. Eine Falle, die Spaltung beabsichtigt, damit mehr Hass geschürt wird und Dunkelheit entsteht, durch das Schwinden des Lichtes. Und es kann nicht sein, dass ich heute das Oberhaupt der Muslime höre, aber ich selbst eine andere Sprache spreche und mich einem anderen Weg anschließe.

Es geht nicht um Schia und Sunna, es geht nicht mehr um Muslim oder Nichtmuslim oder um Christ oder Nichtchrist oder um Jude oder Nichtjude, es geht viel mehr um die Menschen, die wahrheitsliebende sind, Menschen die sich nach der Wahrheit und nach dem göttlichen Frieden sehnen. Heute muss ich mir die Frage stellen, bin ich Unterdrücker oder unterdrückt?

Mögen wir es endlich schaffen, die Veränderungen der Welt mit einem aufrichtigen Auge und einem verantwortungsvollen Herzen zu erkennen, sodass ich mich nicht den Verbrechern der heutigen Zeit anschließe, sondern der Heiligkeit.


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