Braucht Imam Husain Mitleid?


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Klar sollen wir zu Muharram über das Leid Imam Husains sprechen. Selbstverständlich trifft es jeden Menschen mit Herz ins Herz. Selbstredend erzeugen die Geschichten des Leids Imam Husains eine Verbindung zum Imam. Aber braucht Imam Husain unser Mitleid? Ist Mitleid, das Element welches husainische Revolutionen auslöst?

Fast jede neunzehnte Rede über Imam Husain beginnt mit einer Geschichte über das, „was SIE (gemeint sind die Feinde) mit Imam Husain gemacht haben“. Aber war Imam Husain den Feinden ausgeliefert oder waren die Feinde dem Imam ausgeliefert? Wieso sprechen wir eigentlich nicht über das, „was Imam Husain mit IHNEN (gemeint sind die Feinde) gemacht hat“?

Yazid schickte tausende Soldaten um Imam Husains Revolution aufzuhalten. Diese Überzahl an Soldaten sollte den Imam und seine Anhänger einschüchtern und demoralisieren. Jeder andere wäre allein vom Anblick dieser Überzahl an feindlichen Truppen zusammen geknickt. Imam Husain ließ sich aber nicht beeindrucken. Auch jeder seiner Anhänger sagte:

„Selbst wenn sie mich töten, meinen Leib verbrennen und meine Asche in den Wind streuen. Und abermals töten, meinen Leib verbrennen und meine Asche in den Wind streuen, würde ich nicht von deiner Seite weichen, oh Husain“.

Solche Geschichten aus Karbala die vom Mut Imam Husains sprechen oder die Treue seiner Anhänger zu ihm, erzeugen kein Mitleid, sondern Bewunderung. Und ich denke, dass die Tränen der Bewunderung stärker sind als die Tränen des Mitleids. Mitleid dient in der Geschichte Karbalas ledigleich als Verstärkung der Bewunderung. Denn trotz des Leids und trotz des Leids über Leid, wurde der Imam stärker und stärker. Und je mehr er opferte, desto Opferbereiter wurde er. In einem der ersten deutschsprachigen Epos [latmiya] vom Islamischen Weg heißt es:

„Je näher die Zeit des Abschieds von der Erde kam,

Umso glücklicher wurde der Imam“

Ist es nicht so, dass Revolutionen meistens von einer Minderheit ausgehen? Und ist es nicht so, dass Minderheiten meistens keine (reale) Chance haben? Und ist es nicht so, dass die Chance der Minderheit allein ihre Standhaftigkeit begüngstig? Im heiligen Qur´an heißt es:

„Wie oft hat eine kleine Minderheit eine Mehrheit besiegt – mit Allahs Erlaubnis?“ (Heiliger Qur´an 2: 249)

Imam Husain ist dann gedient, wenn in Muharram über seinen Edelmut und seine Standhaftigkeit erinnert wird. Erst wenn die Menschen aus Bewunderung vor Imam Husains unerschütterlicher Überzeugung weinen, wird die Saat der husainischen Revolution gelegt. Jene Tränen der Bewunderung vor Imam Husains Edelmut haben in den letzten Jahrzehnten die größten Erfolge erzielt. Jene Tränen haben einen Tyrannen aus dem Iran vertrieben und eine der stärksten Besatzerarmeen aus dem Libanon vertrieben. Und jene Tränen der Bewunderung über Imam Husain wird die Muslime in Deutschland weiter bringen – so Gott will!


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