„Das machen doch alle so…“


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Wer kennt nicht diese Pauschalisierung: „Das machen doch alle so…“. Dieser als Totschlagargument getarnte Satz meint eigentlich nichts anderes als, dass sich eine Handlung bewährt hat. Und das eine Änderung dieser bewährten Handlung nicht zum Erfolg führt.

Kommt bspw. eine Frau an einem Mann vorbei, schaut der Mann der Frau hinterher. Damit schwächt der Mann zwar seine innere Stärke und Entschlossenheit für den Alltag, weil er sich, anstatt seinen Blick zu kontrollieren, von seinem Blick kontrolliert wird. Aber „Das machen doch alle so…“.

Wenn eine fremde Frau einem verheiraten Mann anspricht und ihn verführen will, dann ist es Normal, dass der verheiratete Mann seine Ehefrau betrügt und fremd geht. Sagt ein verheirateter Mann in solch einer Situation „Nein!“, kann er doch kein Mann sein, denn „Das machen doch alle so...“.

Eine muslimische Frau, die einen Hidschab trägt, muss doch wenigstens die Stellen im Gesicht schminken, die noch zu sehen sind, sonst wird sie von keinem Mann bemerkt, schließlich will sie auch mal einen Ehepartner abbekommen. Das solch eine Muslima sicherlich keinem Mann auffällt, der geschminkte Frauen ignoriert und sich nach einer gläubigen Frau umsieht, bereut sie erst, wenn ihr (zukünftiger) Ehemann ständig nach geschminkten Frauen schielt. Aber, was soll diese arme Frau auch machen, „Das machen doch alle so…“.

Ein bisschen Steuerhinterziehung da, ein wenig importierte Ware nicht verzollen, ein wenig seine Angestellten um ihren Lohn betrügen ist üblich. Vor allem bei Wohlhabenden. Laut einer Emnid-Umfrage nimmt mit zunehmendem Wohlstand die Rechtstreue ab. Aber „Das machen doch alle so...“.

Beim Wahlkampf hängt ein Kandidat Wahlplakate von sich und seiner Partei auf. Dabei verprasselt er nicht nur unnötige Gelder und investiert in Pappe und Tinte, sondern verschmutzt auch noch die Landschaft und die Umwelt. Aber „Das machen doch alle so…“.

Im Heiligen Qur´an wird die Aussage: „Das machen doch alle so…“ wiefolgt formuliert: „Vielmehr folgen wir dem, worin wir unsere Väter vorgefunden haben“ (Heiliger Qur´an 2: 170). Hier werden nicht nur die Handlungen der (direkten) Vorfahren angesprochen, sondern auch gesellschaftlich bewährte und unhinterfragbare Handlungen.

Aber wie ein Totschlagargument „Das machen doch alle so...“ totschlagen? Ganz einfach: In dem wir es nicht so machen wie „alle“, nur weil es „alle“ so machen. Denn sobald nur ein Einziger es nicht so macht wie es „alle“ machen, stimmt die Aussagen „Das machen doch alle so…“ nicht mehr. Denn einer tut es nicht so. Also wird es in Zukunft heißen: „Das machen doch alle so, bis auf einen“.


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