Der Monat der Selbsterkenntnis


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Wieder einmal ist es soweit. Der heilige Monat Ramadan hat begonnen. Der Monat des Gottessegens. Der Monat der Barmherzigkeit. Der Monat der Gelegenheiten. Der Gelegenheiten? Was für Gelegenheiten? Und Gelegenheiten, um welches Ziel zu erreichen? Was ist das Ziel dieses Monats?

Allgemein wird der Monat Ramadan mit dem Fasten in Verbindung gebracht. Deshalb ist er auch als der „Fastenmonat“ unter den Menschen bekannt. Und im Sprachgebrauch hat es sich auch langsam eingeführt, dass man manchmal mit der Frage konfrontiert wird, ob man denn auch „Ramadan machen“ würde. Sinnbildlich ist damit gemeint, ob man denn auch durch den Monat hindurch mitfasten würde. Das Fasten steht im Mittelpunkt. Der Ramadan ist also der Fastenmonat.

Aber ist er das wirklich? Im Qur’an heißt es dazu:

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten.

(Heiliger Qur’an 2:185)

Hier wird der Monat also als der Monat der Herabsendung des Qur’an definiert und nicht als Fastenmonat an sich. Erst im zweiten Teil des Verses ist eine Anordnung zum Fasten in diesem Monat gegeben. Das heißt, dass das Fasten nicht das Hauptziel des Monats ist, sondern lediglich der zur Pflicht gemachte Respekt des heiligen Monats Ramadan.

Folgende Beispiele sind evtl. hilfreich, um zu verstehen, was mit „Respekt des Monats Ramadan“ gemeint ist:

Der Respekt einer Moschee ist es, dass man seine Schuhe vor der Tür auszieht und erst danach die Moschee betritt. Es ist aber nicht das Hauptziel der Moschee, dass sich die Menschen vor der Tür die Schuhe ausziehen. Einige Ziele der Moschee sind beispielsweise die sozialen Kontakte innerhalb der Gemeinde zu pflegen, zu beten oder sich dort weiterzubilden und zu beraten.

So ist auch der zur Pflicht gemachte Respekt des rituellen Gebetes die vorhergehende Gebetswaschung, jedoch ist diese nicht das Hauptziel des Gebetes. Eines der Ziele des Gebetes ist die Erinnerung an Allah (swt.) und nicht, dass sich die Muslime vor dem Gebet waschen. So ist auch der Respekt des Monats Ramadan das Fasten. Es stellt aber nicht das Ziel dieses Monats dar. Was ist der Monat Ramadan dann?

In einer Überlieferung des Propheten (s.) heißt es sinngemäß über den Monat Ramadan, dass derjenige, der Erkenntnis über ihn erlangt, sich wünschen würde, dass dieser Monat nicht nur dreißig Tage hätte und nicht nur einmal im Jahr kommen würde, sondern dass dieser Monat auf das ganze Jahr ausgedehnt werden würde. Weiterhin sagt er (s.):

So wie ich eine bevorzugte Stellung vor allen anderen Propheten (a.) genieße, so ist auch die Stellung des Monats Ramadan im Gegensatz zu allen anderen Monaten.

Da aber leider viele Menschen nicht erkannt haben, welch großartige Gelegenheiten Allah (swt.) uns durch diesen Monat schenkt, fangen manche oft schon nach wenigen Tagen des Fastens an, den Kalender umzublättern und nachzurechnen, wie viele Tage es noch bis zum Festgebet sind. Selbst nur wenige Tage des Fastens fallen einigen manchmal schwer und man wünscht sich, dass dieser Monat schnell vorübergehen würde. Das liegt daran, dass wir keine Erkenntnis darüber haben. Doch wie erlangt man Erkenntnis über etwas?

Viele Ansichten, die uns in der Kindheit beigebracht worden sind, haben sich mittlerweile geändert. Aus vielen Ansichten sind wir herausgewachsen. Beispielsweise glaubte man als Kind, dass der Klapperstorch die Kinder bringt. Aber je älter man wurde, je weiter man sich bildete, änderten sich die Ansichten und man wuchs daraus heraus und kam der Wahrheit näher. Man erfuhr, wie Kinder tatsächlich entstehen und dass der Klapperstorch nichts damit zu tun hat. Unser kindliches „Wissen“ reifte heran und wurde zum wirklichen Wissen – zu einer Erkenntnis. Diesen Prozess der Reife müssen wir auch mit unseren anerzogenen islamischen Ansichten durchführen. Wir müssen herauswachsen aus den Ansichten, die uns als Kind beigebracht wurden. Wir müssen von einem (Aber-)Glauben zu Erkenntnis gelangen. Leider sind aber viele Menschen im Gebiet der Religion und Gotteserkenntnis auf ihrem kindlichen Wissensniveau stehen geblieben.

Oftmals haben wir aufgrund unserer Erziehung nur ein kulturelles Hintergrundwissen über den Islam, so auch über den Monat Ramadan. Uns wurde gelehrt, dass man in diesem Monat von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang 29 oder 30 Tage lang weder essen noch trinken darf. Dass es in diesem Monat drei Nächte, die Nacht der Bestimmung [lailat-ul-qadr], gibt, in denen wir traditionell in die Moschee gehen, ein Gelehrter einen Vortrag hält und dann Qur’ane verteilt werden, die wir uns erst auf den Kopf und dann vor’s Gesicht halten und arabische Formeln aufsagen, die wir kaum verstehen. Nach einer langen Zeit, die uns wie eine halbe Ewigkeit vorkommt, ist das Ganze vorbei und wir können aufatmen und nach Hause gehen. So haben wir es gelernt und praktiziert. Jahr für Jahr, gemäß der anerzogenen Tradition.

Der Monat Ramadan ist eine Gelegenheit für die Menschen. Aufgrund unserer Erkenntnislosigkeit verschwenden wir diesen Monat Jahr für Jahr und ergreifen nicht die Gelegenheiten, die Allah (swt.) uns darin gegeben hat.

Wie eingangs erwähnt, hat Allah (swt.) den Monat Ramadan im Qur’an nicht durch das Fasten vorgestellt, sondern durch die Offenbarung des Qur’ans. Auch über diese Angelegenheit herrscht nur eine sehr grundlegende Ansicht. Wenn man an die Offenbarung des Qur’ans denkt, glaubt man, dass etwas Physisches vom Himmel zur Erde niedergekommen ist. Die Offenbarung des Qur’ans aber ist nicht eine physische Herabsendung von Etwas aus dem Himmel zur Erde. Allah (swt.) hat dies nicht nötig. Allah (swt.), dessen Wort der heilige Qur’an ist, spricht doch über sich im heiligen Qur’an selbst:

Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; […]

(Heiliger Qur’an 2:186)

In einem anderen Vers beantwortet Allah die Frage, wie nah er den Menschen ist: „[…] und Wir sind ihm näher als (seine) Halsschlagader. (Heiliger Qur’an 50:16)

Der Gott (swt.), der dem Menschen so nah ist, so nah, dass Er spricht: „Und wahrlich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen, was er in seinem Innern hegt;“ (Heiliger Qur’an 50:16), der selbst das kennt, was in unserem Herzen versteckt ist, der braucht in diesem Sinne keinen Botschafter, um Seine Botschaft physisch zu übermitteln. Allah (swt.) ist dem Menschen nicht fern. Imam Ali (a.) sagt dazu:

Präsentiert euren Gott nicht derart, dass ihr die Verbindung zwischen Mensch und Gott trennt. Dass ihr die Verbindung vom Menschen zu Gott abschneidet und von Gott zum Menschen abschneidet. Und verbindet Gott mit Seiner Schöpfung nicht derart, dass Gott unter Seiner Schöpfung als ein Geschöpf präsentiert wird.

Zwischen Gott und dem Menschen gibt es eine enge Verbindung. Er ist uns stets nah, doch wir sind ihm fern. Dies hört sich paradox an, doch kann man es anhand eines Beispiels verdeutlichen:

Eine Mutter liebt ihr Kind und ist diesem Kind sehr nah. Sie fühlt mit diesem Kind mit und macht sich große Sorgen um es, selbst wenn es erwachsen ist. Sie ist ihm also sehr nah. Umgekehrt jedoch ist es manchmal so, dass das Kind sich von seiner liebenden Mutter entfremdet hat, die Liebe als störend empfindet und die Gefühle nicht erwidert, also sich von der Mutter entfernt hat. So haben auch wir uns von unserem liebenden Schöpfer (swt.) entfremdet und entfernt.

Mit der Herabsendung des Qur’ans also ist das Verständnis des Qur’ans – des Wortes Gottes – gemeint. Es ist gemeint, dass der Qur’an für den Menschen zugänglich geworden ist. Es ist gemeint, dass er für den Menschen verständlich gemacht worden ist. Vorher war er das nicht, wie es im Qur’an heißt:

Dass dies wahrlich ein edler Qur’an ist. In einer wohlaufbewahrten Urschrift. Keiner kann sie berühren, außer den Reinen.

(Heiliger Qur’an 56:77-79)

Das Wort Allahs (swt.) war nicht zugänglich, nicht verständlich für jene, die daraus rechtgeleitet werden sollten. Es war nur für die Mutahharun, die Reinen, zugänglich. Aber dann sandte Gott (swt.) den Qur’an herab, also machte Sein Wort zugänglich für alle Menschen. Machte ihn verständlich für alle Menschen. Übersetzte ihn in die menschliche Sprache und gebrauchte Redewendungen, sodass wir Gottes (swt.) Wort verstehen mögen. Und um auf das Niveau des menschlichen Verstandes herabzukommen und dem Menschen Sein Wort zu übermitteln, gebrauchte Allah (swt.) einen Engel und einen Propheten (s.). Mit der Herabsendung des Qur’ans ist die Verständlichmachung des Wortes Gottes (swt.) für den Menschen gemeint. Und in dem Wort Gottes (swt.) liegt die Erkenntnis!

Der Monat Ramadan ist eine große Gelegenheit, unsere Entfremdung, unsere Entfernung von Gott (swt.) zu verringern und uns Ihm zu nähern. Der Monat Ramadan ist eine Reise zu Allah (swt.). Denn in diesem Monat öffnen sich die Herzen und die Seelen der Menschen für die Rechtleitung und für das Verständnis des Qur’ans, weshalb es auch empfohlen ist, in diesem Monat viel Qur’an zu rezitieren – bewusst zu rezitieren, sodass man es versteht.

Dieser Monat wird auch als der „Frühling der menschlichen Herzen“ bezeichnet. Im Frühling wächst und gedeiht es in der ganzen Welt. Pflanzt man einen Samen, so wächst daraus etwas. Überall grünt es. So ist auch der Frühling der Herzen. Welchen Samen man auch immer in das Herz pflanzt, gedeiht und wächst er. Die Seele und das Herz sind aufnahmebereit. Es liegt an uns, was wir einpflanzen. Ob wir den Samen der Rechtleitung einpflanzen oder den Samen der Tradition und Kultur. Wir werden das ernten, was wir gesät haben. Entweder wächst dort ein kultureller Ramadan, in dem es viel Verschwendung und höhere Ausgaben gibt. In dem wir zunehmen, weil wir drei Mahlzeiten auf eine Mahlzeit umverlegen. Indem wir von morgens bis abends hungern und dürsten müssen. Und an dessen Ende wir ein kulturelles Fest feiern, an dem wir uns freuen, wieder frei essen und trinken zu können.

Wenn wir aber den Samen des göttlichen Ramadans, den Samen der Rechtleitung einpflanzen, so reicht ein Monat Ramadan, eine einzige Lailat-ul-Qadr (Nacht der Bestimmung) aus, um unsere Bestimmung für das gesamte Leben zu erlangen. In der kulturellen Lailat-ul-Qadr ist man damit beschäftigt, verpasste Gebete nachzuholen, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Aber die göttliche Lailat-ul-Qadr ist nicht dafür da, um die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern um die Zukunft zu gestalten. Die göttliche Nacht der Bestimmung ist zukunftsorientiert! In dieser Nacht haben wir unsere Zukunft in der Hand und können sie mit Allahs (swt.) Erlaubnis gestalten!

Wie schon erwähnt wurde, haben wir aber diese Nacht auf einige gottesdienstliche Handlungen beschränkt, um einen großen Lohn von Allah (swt.) zu bekommen. Alle Handlungen, die wir begehen, auch unabhängig vom Monat Ramadan, haben den „Thawab“, den Lohn zum Ziel. Die Philosophie der Religion ist aber nicht der Lohn Allahs (swt.) für das Handeln des Menschen. Den Lohn für gute Handlungen soll „nur“ das Interesse der Menschen an gute Werke wecken. Es darf nun nicht das Missverständnis auftreten, dass es keinen Lohn oder keine Strafe gibt, ohne Zweifel gibt es beides. Aber beides ist nicht die Philosophie der Religion! An einem Beispiel soll verdeutlicht werden, was der Lohn Gottes (swt.) ist:

Wenn ein Kind keine Lust hat zur Schule zu gehen, locken es manchmal die Eltern mit einer Belohnung aus dem Bett. Dann sagt die Mutter: „Wenn du zur Schule gehst und gute Noten hast, darfst du dir am Ende des Schuljahres etwas wünschen!“ Das Kind geht dann wegen diesem Versprechen zur Schule und strengt sich an, damit es sich z. B. sein Lieblingsspielzeug am Ende des Schuljahres wünschen kann. Die Absicht der Eltern aber ist es nicht, das Kind zur Schule zu schicken, um ihm ein Geschenk zu machen, sondern damit es etwas lernt und sich weiterbildet, also etwas tut, was ihm selber nützt und für seine Zukunft nützlich ist. Aus Liebe und Barmherzigkeit zum Kind Versprechen sie ihm eine Belohnung oder warnen vor einer Bestrafung. Wenn das Kind erwachsen und reif wird, versteht es die Vorgehensweise seiner Eltern und ist dankbar dafür. Ebenso ist die Strafe nicht um der Strafe willen, sondern nur um des Kindes willen um es zu beschützen vor etwas, was ihm schadet.

So ist es auch mit Allah (swt.). Aus Liebe und Barmherzigkeit dienen Lohn und Strafe dazu, uns dazu zu veranlassen jenes zu tun, was uns nützt, und jenes zu unterlassen, was uns schadet. Die Belohnung oder Strafe ist nebensächlich. Aber wir können jederzeit dem Lohn gewiss sein, da er ein Versprechen Gottes ist. Und erst jetzt versteht man auch die Aussage Imam Alis (a.):

Ich bete Allah (swt.) weder aus Verlangen zum Paradies noch vor Angst vor der Hölle an. Ich bete Ihn an, weil Er würdig ist angebetet zu werden!

Die Anlockung mittels Lohn und Abschreckung durch Strafe sind für jene, die seelisch noch nicht erwachsen sind. Die Erkenntnis muss in uns reifen und wir müssen die Schleier von unseren Augen heben und hinter die Kulissen schauen, um die wahre Schönheit der Religion zu erblicken. Und erst dann können wir die Aussage Imam Alis (a.) verstehen.

Das Besondere am Monat Ramadan ist, dass Allah (swt.) in dieser Zeit jegliche Hindernisse für den Menschen auf seiner Reise zu Allah (swt.) fortgenommen hat. Er hat ihm alle Wege geöffnet, um zur Vervollkommnung, zur Menschwerdung zu gelangen. Er hat die Türen zu Seinen Schätzen geöffnet und alle eingeladen, es komme, wer wolle, und nehme, wie viel er wolle. Dies wird aus der Überlieferung klar, in er es heißt, dass Allah (swt.) die Satane im Monat Ramadan in Ketten gelegt hat. Also alle Versperrungen auf dem Wege Allahs (swt.) sind fortgenommen worden.

Man kann sich das so vorstellen, dass Allah in diesem Monat alle Straßenampeln für uns auf Grün geschaltet und alle Verkehrsbehinderungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen fortgenommen hat, sodass wir soviel Gas geben können, wie wir wollen, und uns Ihm so sehr nähern können, wie es im restlichen Jahr nicht möglich ist. Allah (swt.) möchte, dass wir diese Reise zu Ihm ohne Beschwerlichkeiten machen, in diesem Monat. Letztendlich ist die Philosophie allen menschlichen Handelns und vor allem die der Religion „qurbatan-ilallah“, die Erlangung der Nähe Allahs (swt.). Der Monat Ramadan ist der Monat der unvorstellbaren Gelegenheiten, Allah (swt.) unvorstellbar nah zu kommen. Er ist dazu da, damit der Mensch sich einen Monat lang auf sich selbst, seine Seele konzentriert, sein Verhältnis zu Allah (swt.) prüft und es ausbaut. Allah (swt.) erklärt die o. g. Aussagen so im Buch der Erkenntnis:

Die Nacht von Al-Qadr ist besser als tausend Monate!

(Heiliger Qur’an 97:3)

In einer einzigen Nacht können wir eine Reise zu Allah (swt.) zurücklegen, für die wir mehr als eintausend Monate brauchen würden. Wie unendlich barmherzig unser Schöpfer ist, der uns solch eine unglaubliche Gelegenheit gibt. Aber Seine Barmherzigkeit ist noch größer, denn laut einer Überlieferung heißt es:

Und du kannst jede Nacht zu einer Lailat-ul-Qadr machen!

Diese Aussage ist nicht auf den Monat Ramadan beschränkt. Doch um solch eine Stufe zu erreichen, ist es notwendig, dass der Mensch anfängt seine Seele zu erziehen und sich selbst zu erkennen. Allah (swt.) spricht, dass Er im Monat Ramadan Seine Schatzkammern geöffnet hat. Es komme, wer wolle, und nehme, was er wolle. Wer von uns würde da nicht zugreifen? Aber wir sollten uns konzentrieren und den größten aller Schätze aus Allahs (swt.) Schatzkammer aussuchen. Was ist der Größte aller Schätze, wird sich nun so mancher fragen. Diese Frage beantwortet folgende Überlieferung:

Wer sich selbst erkennt, erkennt seinen Herrn!

Der größte aller Schätze ist die Selbsterkenntnis. Die Selbsterkenntnis zu erlangen bedarf an anderen Tagen großer Anstrengung und Konzentration. Doch im Monat Ramadan bietet Allah (swt.) uns an, uns auszusuchen, was wir haben möchten. Er hat alle Barrieren auf dem Weg zu Seinen Schatzkammern entfernt. Und die Tore der Schatzkammern weit geöffnet und den Wächtern befohlen, niemanden aufzuhalten. Wäre es da nicht schade, wenn wir uns alles nehmen, außer der Selbsterkenntnis, die das höchste Gut und der wertvollste Schatz ist? Wer seinen Herrn erkannt hat, hat sich Ihm unvorstellbar genähert. Und wer sich Ihm genähert hat, hat sich geläutert und die Schleier von seinen Augen hinfort genommen und die wahre Liebe erkannt – die Liebe Allahs (swt.). Derjenige wird zum Sprachrohr Allahs (swt.), zum Auge Allahs (swt.), zur Hand Allahs (swt.), zum wahrhaftigen Diener Allahs (swt.) – ein bewusster Abdullah! Ein bewusster Vertreter Gottes auf Erden. Welch höhere Stellung kann der Mensch erreichen?

Bleibt noch die Frage: Wieso das Fasten? Wir sind doch die Gäste Allahs (swt.), und ein guter Gastgeber lässt seine Gäste doch nicht hungern und dürsten? Im Gegenteil, er bereitet doch ein Festmahl zu, oder? Wenn wir jemanden einladen, so bereiten wir für die Gäste auch ein leckeres Essen vor – oder lassen sie zumindest nicht hungern! Können wir das nicht auch vom Besten aller Gastgeber (swt.) verlangen?

Und ohne Zweifel ist Er (swt.) der Beste aller Gastgeber. Und hierin liegt auch die Antwort, wie wir zur Selbsterkenntnis gelangen können, die in der Schatzkammer Allahs (swt.) wartet, um erlangt zu werden. Und natürlich dürfen wir von diesem Gastgeber ein „Festmahl“ ohne gleichen erwarten.

Wenn wir jemanden zum Essen einladen und eine sehr, sehr leckere Nachspeise vorbereitet haben, so sagen wir den Gästen, dass sie vom Essen nicht allzu viel essen sollen, damit sie noch von dem Spezialessen des Tages, der Nachspeise, profitieren können. Die Gäste essen also weniger und lassen Platz für den eigentlichen Leckerbissen. Auch Allahs (swt.) Gastgeberschaft ist so! Er (swt.) spricht auch zu uns:

Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten.

(Heiliger Qur’an 2:185)

Wieso? Damit wir für das von Allah (swt.) bereitete spirituelle „Festmahl“ vorbereitet werden und Platz für das eigentliche Highlight haben. Denn mit leerem Magen nimmt die Schärfe des Verstandes zu und die Herzen öffnen sich für die Rechtleitung. Wahres Fasten, mit dem Auge, Zunge, Ohr, usw. bedeutet die Läuterung von Sünden. Danach ist der Mensch bereit das spirituelle Spezial Allahs (swt.) aufzunehmen. Allah (swt.) spricht weiter:

„Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat.“

(Heiliger Qur’an 2:185)

Allah (swt.) möchte es uns leichtmachen, uns selbst zu erkennen durch das Fasten. Es soll keine Last, sondern Erleichterung für die Selbsterkenntnis sein. Denn Allah (swt.) möchte nicht seine Diener durch Hunger und Durst quälen, sondern damit ihre Seelen, Herzen und Sinne schärfen, auf dass sie sich selbst und somit Ihn (swt.) erkennen und den besten aller Schätze finden mögen. Es ist empfohlen viel aus dem Buch der Erkenntnis, dem heiligen Qur’an in diesem Monat zu rezitieren, denn in ihm liegt die Selbsterkenntnis. Und wie jeder weiß, steht am Ende des Monats Ramadan das Fest. Ein Fest für jene, die erreicht haben sich vielleicht ein wenig mehr zu erkennen und so Allah (swt.) näher zu kommen.

Vielleicht werdet ihr dankbar sein.

(Heiliger Qur’an 2:185)

Mögen inschallah auch wir zu den Dankbaren am Ende des Monats Ramadan gehören, zu denjenigen, die sich Allahs (swt.) Liebe nähern konnten und zumindest einen kleinen Teil der Selbsterkenntnis aus Allahs (swt.) Schatzkammer an sich genommen haben. Und mögen wir inschallah alle die Gnade Allahs (swt.) genießen dürfen, zumindest einige unserer Nächte zu einer Nacht der Bestimmung zu machen. Und mögen wir aus dem Buch der Erkenntnis, das im Monat der Selbsterkenntnis herabgesandt ward, uns selbst und somit unseren Herrn, den Schöpfer allen Seins, erkennen.


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