Gehen Israel die Juden aus?


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Für viele Juden, die sich einst auf das „gelobte“ Land freuten, ihre Heimatländer verließen und Israel als ihren Lebensmittelpunkt wählten, ist nun klar geworden, dass das vermeidliche „gelobte“ Land, gar nicht so lobenswert ist. Erlebte Israel einst einen wahren Einwanderungsboom, muss sich Israel nun mit einer Ebbe an Einwanderern auseinandersetzen.

Einst diente der Antisemitismus im 2. Weltkrieg als Grund die Juden in das „gelobte“ Land „zurück“ zu rufen, doch nun ist der Antisemitismus in allen Ländern, zurecht, verpönt. Leider bedurfte es eines traurigen Ereignisses in der Geschichte der Menschheit, um die Menschen davon zu überzeugen, dass Fremdenhass nicht nur den Hass der Fremden schürt. Sondern darüber hinaus, ganze Gesellschaften zerstört.

Nun haben Juden keine Gründe nach Israel auszuwandern. Sie leben überall auf der Welt und sie werden toleriert und akzeptiert, anders als im 3. Reich. Die Tatsache, dass es Juden in anderen Ländern gut (bisweilen sogar besser als in Israel) geht, stört Israels Demografie. Deswegen schwingt die Antisemitismuskeule wieder ihre Runden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte deswegen, nach dem Pariser Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, die französischen Juden auf, zu ihrer Sicherheit nach Israel auszuwandern und sagte: „Jeder Jude, der nach Israel einwandert, wird mit offenen Armen willkommen geheißen. Wir werden euch bei der Aufnahme in unserem Land helfen, dass auch euer Land ist.“ (Ein Widerspruch, denn in Israel betont Netanjahu immer wieder wie bedroht Israelis doch seien.)

Schon 2011 kreiste in Frankreich in den französischen Medien ein Bericht über einen jüdischen Jungen, der Sohn eines prominenten französischen Rabbi, der in einem Pariser Bahnhof von einem antisemitischen Jugendlichen angegriffen wurde. Diese Geschichte wurde als Beweis dafür gesehen, dass französische Juden in ständiger Gefahr leben und ständig bedroht seien, vor allem von ihren muslimischen Nachbarn. Der französische Präsident sah sich gezwungen, sich öffentlich bei der jüdischen Gemeinde zu entschuldigen, und versprach, dass es keine weiteren derartigen Vorfälle geben werde.

Jedoch erklärte Rabbi Cohen, Oberrabbiner von Paris in einem Interview mit der jiddischen Zeitung, dass diese Geschichten völlig unbegründet waren. Der Rabbi, dessen Sohn angeblich geschlagen worden war, sagte im Interview, dass dieser angebliche ‚antisemitische Angriff‘ nichts anderes als ein Streit mit einem betrunkenen Mann war, der seinen Sohn kein Haar gekrümmt hat.

Darüber hinaus sagte Rabbi Cohen, er habe nie antisemitische Gewalt in Frankreich erlebt. Er nutzte die U-Bahn jeden Tag ohne Zwischenfälle. Paris ist die Heimat einer Gemeinschaft von etwa 200.000 Juden, von denen etwa 200 in Rabbi Cohens Synagoge zum Gebet kommen. Rabbi Cohen glaubt, dass die Gerüchte über wachsenden Antisemitismus in Frankreich bewusst von pro-israelischen Medien geschürt und verbreitet werden, um französische Juden anzuspornen Frankreich zu verlassen und nach Israel auswandern. Laut Rabbi Cohen, gehören die meisten Juden in Paris der sephardischen Synagoge an, und viele von ihnen sind ehemalige Israelis, die das zionistische ‚Paradies‘ verließen, um ein besseres Leben in Frankreich zu suchen.

Nun: Israel hat wohl ein Problem, ihm gehen anscheinend die Juden aus. Und je besser es den Juden außerhalb Israels geht, desto schwieriger hat es Israel, Juden anzuwerben. Denn was ist Israel ohne die Israelis? Wer also Israel schaden will, sollte Juden, die außerhalb Israels leben, gut behandeln und ihnen das Gefühl geben, dass es ihnen da, wo sie sich gerade befinden, besser geht als in Israel. Dies ist die beste Art Israel zu schaden.


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