Gehört der Islam zu Deutschland? – Vom Sinn und Unsinn der Debatte


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Ob der Islam zu Deutschland gehöre, wird gefragt? Um diese Frage zu beantworten, was ich nicht tun werde, müssen einige Punkte geklärt sein.

  1. Geografische Eingrenzung

Die Ära der großen Nationalstaaten ist vorbei. Es ist eine neue Zeit angebrochen und wir leben im Zeitalter der beschleunigten Globalisierung, die Eingang in allen Bereichen des Lebens erhalten hat. Deutschland als nur ein eigenständiges nationales Gebilde zu betrachten, ist eine Denkweise, die der Vergangenheit gehört. Deutschland besitzt keine bewachten Grenzen mehr und ist mehr denn je in Wechselbeziehung mit anderen Ländern, Kulturen, Religionen etc.

Die Behauptung, etwas oder jemand gehöre isoliert zu Deutschland, ohne andere Länder in Betracht zu ziehen, ist ein wenig kleinkariert. Noch kleinkarierter wird es, wenn man Sachsen ausschließt. Nach der Logik könnte man sagen, der Islam gehöre zu Berlin-Neukölln, aber zu Berlin-Marzahn nicht; und nach dem Beispiel ganze Bezirke, Regionen aufteilen.

Bei einer Debatte sollte immer das globale, mindestens das europäische Umfeld im Blick sein, denn eine Begrenzung auf kleine Ortschaften widerspricht dem modernen und freien Geist des Menschen.

  1. Politische Losung

Inzwischen ist diese Aussage zu einem Wahlspruch gereift, bei dem es darum geht, die Menschen zu kategorisieren und nach dieser Losung Politik zu betreiben, indem man versucht Definitionsmacht über eine Religion und seine Anhänger (Muslime) zu erlangen und diese dann nach seinem eigenen Wünschen als zu Deutschland gehörig oder nicht gehörig abzustempeln. Die Menschen gehen auf die Straßen, demonstrieren, protestieren, beleidigen sich gegenseitig und wissen zumeist gar nicht, um was es hier geht.

  1. Passt der Islam zu Deutschland“ als Gegenfrage zu „Gehört der Islam zu Deutschland?“

Man könnte auch die Frage aufwerfen, ob der Islam denn zu Deutschland gehören will? Passt der Islam zum Mittelalter, zu den Kreuzzügen, Hexenverfolgungen, Inquisitionen, zwei Weltkriegen, Völkermord, Brandstiftung, NSU, Ausländerverfolgungen etc.? Denn dies sind Punkte, von denen man auch sagt, dass sie auch zu Deutschland gehören würden. Denn dann würde der Islam zu Deutschland so gar nicht gehören und würde auch nicht dazugehören wollen.

Die Ausführungen sollen nicht provozieren, sondern zum Denken anregen, um sich tiefer mit dem Sinn und Unsinn der Frage zu beschäftigen. Mehrere Betrachtungswinkel habe ich zudem ausgelassen. So könnte man rechtlich, ökonomisch, geschichtlich, kulturtheoretisch oder philosophisch die Frage zu beantworten versuchen.

Neben dem ganzen Unsinn, kann die Debatte sehr fruchtbar und sinnvoll sein. So könnte man die Möglichkeit ergreifen, sich ernsthaft mit dem Islam zu beschäftigen. Man könnte in einen Austausch, welcher ernsthaft, seriös und wissenschaftlich erfolgen muss, mit dem Islam treten. Es könnte die Frage gestellt werden, warum der Islam ständig im Kreuzfeuer steht. So gibt es inzwischen sehr viele Plattformen und Gelegenheiten, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen.

Wohin der Islam jedenfalls nicht gehört, das kann ich sagen, nämlich nicht in unseriöse Talkshows, politische Wahlkampfreden, auf merkwürdige Demonstrationen montags oder in verantwortungslose Medien.


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