Gewohnheiten gut, alles gut


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Wer kennt das nicht, kaum ist das alte Jahr vorbei und das neue Jahr vor der Tür kommen die guten Vorsätze. Spätestens in ein paar Wochen verstoßen wir vorsätzlich gegen unsere gesetzten Vorsätze. Warum ist das so? Warum fällt es uns schwer, uns zu ändern und uns Gewohnheiten abzugewöhnen? Und wie wichtig sind Gewohnheiten eigentlich?

Gewohnheiten sind an sich ja nichts Schlechtes. Gewohnheiten sind notwendig, niemand kann ohne Gewohnheiten leben. Gewohnheiten lenken uns. Aber Gewohnheiten können schlecht sein, wenn sie schlechte Gewohnheiten sind. Gute Gewohnheiten hingegen sind wichtig und nur mit guten Gewohnheiten kommen wir voran.

Ein altes deutsches Sprichwort besagt: „Säe einen Gedanken und du erntest eine Tat. Säe eine Tat und du erntest eine Gewohnheit.“ Eigentlich ist eine Gewohnheit nichts anderes als eine zur Routine gewordene Handlung. Was wir oft genug wiederholen und pflegen, wächst und wird stärker, bis wir nicht davon ablassen können. Oder wie Thomas Mann sagte: „Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden dazu und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.“

Eigentlich erschaffen wir zuerst unsere Gewohnheiten, dann erschaffen sie uns. Eine alte Gewohnheit aufzugeben, fällt schwerer, als eine neue aufzubauen. Eine Gewohnheit, der man nicht widersteht, wird bald zur Notwendigkeit. Wer seine Gewohnheiten nicht kontrolliert oder hinterfragt, wird von seinen Gewohnheiten kontrolliert. Ja, der Mensch muss sogar mit falschen Gewohnheiten brechen, sonst brechen sie ihn.

Da Gewohnheit die höchste Obrigkeit im menschlichen Leben ist, muss man mit allen Mitteln danach streben, gute Gewohnheiten zu erlangen. Gewohnheit heißt die große Lenkerin des Lebens; daher sollten wir auf jede Art und Weise bestreben, uns gute Gewohnheiten einzuimpfen. Gewohnheit wird durch Gewohnheit überwunden. Eine lange böse Gewohnheit überwindet man durch eine gute Gewohnheit.

Wer in Gewohnheiten denkt und handelt, denkt und handelt gar langfristig. Es ist so: Motivation ist das, was einen in Gang bringt, Gewohnheit das, was einen in Gang hält. Schlimm wird es dann, wenn die Nachlässigkeit zur Gewohnheit wird. Imam Ali – der Friede sei mit ihm – sagt: „Die Nachlässigkeit ist der gefährlichste Feind des Menschen.“

An anderer Stelle sagt er auch: „Der Dümmste unter den Dummen ist jener, der über den gleichen Stein zweimal stolpert.“ Meistens stolpern wir aus Gewohnheit über den gleichen Stein. Oder, weil unsere Gewohnheiten uns dazu bringen, über den gleichen Stein zu stolpern. Deshalb sollte man wie folgt vorgehen:

  • vorhandene Gewohnheiten orten
  • vorhandene Gewohnheiten aussortieren
  • Ausschau halten nach guten/besseren Gewohnheiten

So heißt es einer islamischen Weisheit zufolge: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten. Achte auf deine Taten, denn sie werden deine Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.“

Schlimm wird es, wenn unsere schlechten Gewohnheiten unseren Charakter so stark einnehmen, dass wir uns gegen ihre Launen nicht mehr wehren können. Der Gesandte Gottes Muhammad (s.) wurde sogar danach gefragt, was denn die Religion sei, worauf er (s.) antwortete: „Die Religion ist edler Charakter.“ So müssen wir sogar aus religiöser Motivation unsere Gewohnheiten optimieren. Denn Gewohnheiten gut, alles gut.


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