Gießkanne neben der Toilette – Ein Zukunftsmodell für Deutschland?


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2016 – Es ist eine Begegnung der Kulturen und Religionen, manche bezeichnen es fälschlicherweise ausschließlich als „Clash“ in Form von „Streit“, „Kollision“ oder „Konflikt der Kulturen“. Begonnen hat es allerdings viel früher, vielleicht vor über tausend Jahren oder etwas später. Man könnte zum Beispiel das Jahr 1543 n. Chr. anführen, als Theodor Bibliander die erste Qur’anübersetzung ins Deutsche veröffentlichte. Oder deutlich später: die islamischen Gedichte von Friedrich Rückert, den West-Östlichen Divan von Goethe und vieles mehr.

Es ist erstaunlich, dass man in Deutschland von „westlichen Werten“ spricht, aber kaum jemandem bekannt ist, dass in Weimar das sogenannte „Hafis-Goethe-Denkmal“ steht. Das Denkmal ist meiner Meinung nach sehr gelungen, besteht aus zwei einander gegenübergestellten Stühlen aus Stein. Ein Zitat ist auf jeden Stuhl graviert, beide von Goethe:

„Herrlich ist der Orient
übers Mittelmeer gedrungen
Nur wer Hafis liebt und kennt,
weiß was Calderon gesungen.“

„Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.“

Nicht zu trennen werden die neuen Bereicherungen durch den Islam sein, die einst durch Goethe, Rückert, Hafis und Co. ihren Anfang im Westen nahmen.

Wer den ersten Teil nun gelesen hat, den wird die Überschrift etwas verwundern. Darum entwarne ich: Es geht wirklich um die Gießkanne in der Toilette und nicht um Literatur und Denkmäler.

Es begann eines schönen Tages, als die ersten Muslime nach Deutschland kamen. In vielen ihrer Toiletten fand man plötzlich eine Gießkanne oder eine Flasche, mit Wasser gefüllt oder bereits leer. Nur was haben Gießkannen und Flaschen dort verloren? Bekommen Muslime Durst, während sie ihr Geschäft erledigen? Oder ist es im Islam üblich, Pflanzen ins Badezimmer zu stellen?

Nichts davon. Es ist tatsächlich so: Muslime, Mann und Frau, müssen nach jedem Geschäft, ob kleines oder großes, die jeweiligen Körperareale reinigen. Doch wie kann es sein, dass Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bis heute nichts davon erfahren haben? Dies hat verschiedene Gründe. Eine Möglichkeit wäre, dass die muslimischen Einwanderer sich so assimiliert haben, dass sie diese Sache selber nicht mehr praktizieren. Oder sie haben sich aus Scham in Ausreden geflüchtet und es verschwiegen. Oder, und dies ist vermutlich der Hauptgrund, man hat einfach zu wenig darüber gesprochen. Ob man die Reinigung unterlässt, ist ja die eigene Entscheidung, aber dass man nicht Klartext spricht, finde ich sehr ungerecht gegenüber den Fragenden. Als könnte der nichtmuslimische Mitbürger so eine Hygieneregel nicht verkraften.

Das kann er definitiv. Vielleicht befürwortet er sie sogar und findet sie sinnvoll. Schließlich geht es hier um eine Sache, die extrem wichtig ist, und Ärzte wissen nur genau, wie unachtsam viele Menschen in der Hygiene vorgehen. Manche nutzen hierzulande wenigstens Feuchttücher, die auf Dauer aufgrund ihres chemischen Inhaltes leider auch Probleme verursachen, oder sie feuchten das Toilettenpapier an, was etwas besser ist. Andere, und das muss man leider so sagen, wischen kurz trocken drüber, verteilen es dabei etwas und verlassen die Toilette in Rekordzeit. Ebenso in Rekordzeit gehen manche von ihnen am Spülbecken vorbei und verlassen den Toilettenraum. Eine von vielen (männlichen) Beobachtungen in öffentlichen Toiletten. Da nimmt die Handschlagdebatte ganz neue Dimensionen an.

Bei Muslimen läuft es anders. Diese sollen idealerweise folgende Reinigungsregeln beachten:

  1. Mann sollte sich hinsetzen, da als Mann die Gefahr besteht, die Toilette zu verfehlen und sie oder gar den Boden zu verunreinigen.
  2. Allgemein gilt das Urinieren im Stehen als verpönt (makruh) im Islam. Viele Forscher heutzutage bestätigen diese Regel und empfehlen auch das Urinieren im Sitzen aus gesundheitlichen Gründen.
  3. An manchen Orten ist es sogar verboten (haram) für Muslime zu Urinieren bzw. den Stuhlgang durchzuführen. Insbesondere an Orten, an denen der Besitzer des Grundstücks damit nicht einverstanden ist oder an besonderen Orten wie Friedhöfen. Es ist auch verpönt, in Gewässern wie Flüssen oder im Meer dies zu tun.
  4. Die Reinigung der Stellen ist eine Pflicht und dient als Voraussetzung, um die Gebetswaschung (Wudhu) zu vollziehen, welche wiederum Voraussetzung für das Gebet ist. Wie man das genau macht, kann man hier nachlesen.
  5. Vor und nach dem Toilettengang ist es sehr empfohlen, die Hände zu waschen. Vorher deshalb, weil man anschließend empfindliche Stellen im Schambereich berührt und dazu sollten die Hände sauber sein. Das Händewaschen danach erklärt sich von selbst. Dieselbe Empfehlung gilt auch vor und nach den Mahlzeiten.
  6. Die Ausscheidung darf nicht in der Gebetsrichtung (Qibla) erfolgen, weder vorderseitig noch rückseitig. Das bedeutet, man muss sich unter Umständen leicht seitlich hinsetzen, wenn die Toilette in der Gebetsrichtung eingebaut ist. Dies wird sehr stark vernachlässigt und ist unter vielen Muslimen völlig unbekannt.

So viele theologische Regeln! Für den nichtmuslimischen Leser dürfte es dennoch interessant sein, wenn er auf eine solche Hygiene wert legt, zumindest die Reinigung nach dem Urinieren bzw. Stuhlgang nachzuahmen.

Es gibt keinen Grund sich zu schämen über diese Themen offen zu reden oder zu schreiben. Vielmehr ist es beschämend, wenn man eben nicht darüber redet und nicht darauf achtet, und wenn man unzählige gesundheitsgefährdende Bakterien täglich bewusst oder unbewusst mit sich herumschleppt. Doch auch das ist jedem Menschen selbst überlassen. Es ist jedoch erstaunlich, dass besonders in aktuellen Debatten den praktizierenden Muslimas, die mit dem „Burkini“ schwimmen gehen, „mangelnde Hygiene“ vorgeworfen wird. Dabei wird dieser ebenso von Forschern empfohlen.

Ja, es gibt unter Muslimen mangelnde Hygiene. Aber nur, weil die oben genannten Regeln gar nicht oder nicht mehr richtig beachtet werden.

Manche Muslime gehen so weit, dass sie sowohl Toilettenpapier als auch Wasser zur Reinigung anwenden, denn das ist die optimale Reinigung. Sie gehen so weit, dass sie aufpassen, nicht mit dem Wasser herumzuspritzen und den Boden nass zu machen. Ihr tägliches Ziel ist es, die Toiletten sauberer zu hinterlassen, als sie diese vorgefunden haben.

Man wird oft in muslimischen Haushalten vor oder im Badezimmer ein, zwei oder sogar drei Paar Schlappen finden, um der Nässe auf dem Boden zu entgehen. Allerdings seltener wegen des Reinigungswassers, sondern eher aufgrund der mehrmals täglichen Gebetswaschung, durch die hin und wieder der Boden etwas nass wird. Und auch diese Nässe (paar Tropfen) ist nicht schlimm!

Im Islam gilt nur etwas als unrein, wenn man Gewissheit hat, dass es wirklich unrein ist, zum Beispiel Urin oder Blut. Manche Muslime verfallen in Angstzustände und wiederholen ihre Gebetswaschung, nur weil sie danach auf einen Tropfen Wasser getreten sind und ihn für unrein halten. Das ist übertrieben und unnötig.

Die sogenannte „Islamisierung“ findet also auch in Form der Hygiene statt. Wenn sich diese Art der Reinigung in Deutschland oder gar Europa etablieren würde, könnten manche Sanitärunternehmen gutes Geld verdienen, indem sie eine kleine Duschbrause an jedes Klo installieren. Rein technisch ist das für die einzelne Toilette kein großer Aufwand, aber ein riesiger Markt, der seine Vorreiter sucht. Ich würde mir das auf Dauer schon überlegen, mir eine Duschbrause einbauen zu lassen. Besonders für ältere Menschen und Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist das sehr vorteilhaft und eine Erleichterung bei der Reinigung. Doch für die Jüngeren unter uns ist es deutlich umweltfreundlicher und sparsamer, die Gießkanne zu nutzen. Der Wasserverbrauch pro Stuhlgang beträgt etwa 1 Liter. Zum Vergleich: Ca. 9 Liter verbraucht eine einzige Toilettenspülung. Lediglich die Toilettenpapierkartelle werden meckern, weil dadurch der Toilettenpapierkonsum sinken würde und man leider weniger Wälder abholzen müsste. Das täte mir aber kein bisschen Leid, weil sie genug abgeholzt haben.

Vor allem wären weniger medizinische Leiden die Folge: Es gäbe weniger Probleme oder Krankheiten im Afterbereich wie Juckreiz, Hämorrhoiden, Afterrisse oder sogar Tumore. Längst raten Ärzte dazu, Wasser zu nutzen, und sagen, dass die alleinige Nutzung von Toilettenpapier eher kontraproduktiv ist. Unter Muslimen ist das schon lange bekannt, wir müssen nur das vorhandene Wissen nutzen und ernstnehmen. Dieses Wissen darf nicht in Vergessenheit geraten und es sollte unseren Mitbürgern zur Verfügung gestellt werden.

Auch ein solches Thema kann zur Völkerverständigung beitragen und den Dialog der Kulturen fördern. Muslime brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie bei der Arbeit, Schule, Universität oder auf Reisen eine 0,5 Liter PET-Flasche auf die Toilette nehmen. Genauso können unsere Mitbürger lernen, dass viele Regeln der Muslime sehr sinnvoll sind.

Wer noch nicht davon überzeugt ist oder etwas neugierig geworden ist, sollte diese Reinigung eine Woche oder besser einen Monat lang konsequent ausführen und anschließend vergleichen. Dieses neue und bessere Lebensgefühl wird man nicht mehr aufgeben wollen.


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