Homosexualität als Mittel im Krieg gegen die Religionen – Interview mit Scheich Hamza Sodagar


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Letzte Woche wurde in den britischen Medien eine Hetzkampagne gegen Scheich Hamza Sodagar geführt, siehe dazu unsere Berichte und Videos hier und hier.

Am vergangenen Dienstag (11.10.) führte das islamische Nachrichtenportal „5Pillars“ (5 Säulen) ein Interview mit Scheich Hamza, das wir mit freundlicher Genehmigung von 5Pillars ins Deutsche übersetzt haben. Das englische Originalinterview findet ihr hier: http://5pillarsuk.com/2016/10/11/hamza-sodagar-homosexuality-is-evil-but-i-didnt-call-for-gays-to-be-harmed/

Roshan Muhammed Salih (Redakteur von 5Pillars): In einem Video aus dem Jahre 2010 zählen Sie fünf Strafen für Homosexualität auf: Köpfen, Verbrennen, Herunterstoßen von einer Klippe, eine Wand über dem Verurteilten zum Einsturz bringen oder eine Kombination dieser Strafen. Britische Medien bezeichneten Sie als Hassprediger und Extremisten, und forderten Ihre Verbannung aus dem Vereinigten Königreich (UK). Haben Sie dazu aufgerufen, Homosexuelle zu köpfen und zu verbrennen?

Scheich Hamza Sodagar: Das könnte nicht ferner von der Wahrheit sein. Ich erwähnte in dem Vortrag sogar, dass ein solches Missverständnis aufkommen könnte. Ich erläuterte bloß das islamische Strafrecht. Wenn jemand mit diesem Strafrecht nicht einverstanden ist, dann ist das seine Sache.

Der springende Punkt ist: Es wurde suggeriert, ich riefe dazu auf, auf den Straßen nach Homosexuellen zu fahnden und sie zu köpfen. Aber das habe ich nicht. Tatsächlich sagte ich, dass es im Gegenteil haram (verboten) sei, das zu tun. Selbst in einem islamischen Land besitzt keine Privatperson das Recht dazu.

Das islamische Strafrecht lässt sich außerhalb eines islamischen Landes nicht anwenden. Wenn innerhalb eines islamischen Landes Leute von homosexuellen Praktiken zwischen zwei Männern erfahren, dann müssen sie es den Behörden berichten und diese müssen dem dann nachgehen. Und wenn die Behauptung von einem Gericht bestätigt wird, dann ordnet es die Strafe an. Aber Privatpersonen dürfen in keinem Fall Selbstjustiz ausüben. Tun sie es doch, ist das eine Sünde.

In den 1960ern kam die Homosexuellenbewegung auf. Sie wurde so dargestellt, als wäre sie eine Bewegung aus dem Volk heraus, ähnlich der Schwarzenbewegung oder der Bewegung für Frauenrechte – aber das trifft nicht zu. Homosexualität ist etwas Unnatürliches und diese Verdorbenheit wurde uns aufgezwungen.

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Gegen die Religionen wird ein Krieg geführt, sei es das Christentum, das Judentum (authentisches Judentum, nicht Zionismus) oder der Islam. Ihre Anhänger dürfen nicht einmal ihre Sichtweisen zum Thema darlegen. Sogar der Papst wurde dazu genötigt, verschiedene Kompromisse einzugehen und Kommentare zu veröffentlichen, die an der Schwelle zur Akzeptanz von Homosexualität standen.

Es handelt sich um ein schwerwiegendes Thema, denn Allah (swt.) berichtet uns im Heiligen Qur’an davon, wie ein ganzes Volk deswegen ausgelöscht wurde. Wenn es sich also weiter ausbreitet, wird es uns allen schaden. Ich bin dafür mitverantwortlich, die Ausbreitung dieses Übels, dieses Unrechts und dieser Verdorbenheit zu verhindern.

Ich sorge mich nicht allein um die muslimische Gemeinschaft, sondern auch um die nichtmuslimische Gemeinschaft, dass sie in diese Verdorbenheit hineingezogen wird. Sie zerstört die Familie und Gesellschaft. Obwohl früher alle Homosexualität öffentlich ablehnten, ist es heute wegen der harten und langandauernden Lobbyarbeit schwierig geworden, überhaupt dagegen Stellung zu nehmen. Aber um es ganz klar zu sagen: Der Islam lehnt Homosexualität kategorisch ab!

Roshan Muhammed Salih: Wir leben im Westen. Die Gesellschaften hier sind liberal und säkular, Homosexualität gehört zum Mainstream. Sehen Sie nicht ein, dass Ihre Worte ein nichtmuslimisches Publikum schockieren könnten und dass wir unsere Worte hierzulande diplomatischer wählen sollten?

Scheich Hamza Sodagar: Ich glaube fest daran, dass Gott unser Schöpfer ist und dass Er uns besser kennt, als wir uns selbst kennen. Was immer Er uns gibt, ist das Vernünftigste. Nur weil das jemand nicht versteht, bedeutet das nicht, dass es falsch ist, es auszusprechen.

Wenn es sich um ein Thema handelte, das im Westen nicht relevant wäre, und bloß unbeabsichtigte Aufmerksamkeit auf den Islam lenkte, und gewissen Leuten einen Vorwand lieferte, den Islam anzugreifen – ohne jeden Nutzen für den Islam –, so wäre es offensichtlich nicht weise, darüber zu sprechen. Man vergesse nicht, dass der Islam auch über Sklaverei spricht. Aber es liegt keine Weisheit darin, im Westen darüber zu sprechen, denn es könnte den Eindruck erwecken, wir wollten die Sklaverei zurückholen (obwohl der Islam die Sklaverei abgeschafft hat). Aber es liegt Weisheit darin, darüber zu sprechen, was der Islam über Homosexualität sagt, und über dieses Übel aufzuklären.

Scheich Hamza Sodagar im Interview über Homosexualität

Andere Religionsvertreter dagegen halten ihre Ansichten zurück und berichten nicht, was in ihren Büchern steht, obwohl das Alte Testament dazu klar Stellung bezieht. Der Islam führt keine neue Ansicht zur Homosexualität ein. Das Verbot ist Teil aller abrahamitischen Religionen.

Und es sollte mir erlaubt sein, auch Folgendes zu sagen: In einigen Bundesstaaten der USA gibt es die Todesstrafe. Andere Bundesstaaten stellen sich dagegen. Wenn ich nun in diese anderen Bundesstaaten reise und dort die Einführung der Todesstrafe fordere, ist das prinzipiell falsch? Ist das prinzipiell unangemessen? Ich gehöre zu denen, die glauben, dass dies das islamische Strafrecht zum Thema ist, und dass diese Strafen legitim sind, sofern das gesamte islamische Recht umgesetzt wird. Wenn mir jemand nun widerspricht, dann können wir miteinander darüber diskutieren. Aber zu behaupten, ich würde dazu auffordern, Homosexuelle auf den Straßen aufzuspüren und sie zu verbrennen, obwohl ich doch nur das islamische Strafrecht dargelegt habe, ist eine große Lüge.

Roshan Muhammed Salih: Sie haben den Vortrag im Jahr 2010 gehalten. Warum kam das Thema jetzt auf? Wurden sie wegen Ihren anderen religiösen oder politischen Positionen angegriffen?

Scheich Hamza Sodagar: Im Moment formt sich eine islamische Identität als Teil der weltweiten islamischen Bewegung. Sie wird von westlichen Staaten bekämpft, die dieser Bewegung feindlich gesinnt sind. Die militärischen Fronten liegen in Syrien, Jemen, Bahrain, Irak, Palästina und Libanon. Es gibt die politische Front, die wirtschaftliche Front, Sanktionen, Minderung des Ölpreises. All diese Fronten haben dasselbe Ziel: die wahre islamische Identität zu verstellen. Der ideologische Krieg wird an drei Fronten geführt.

Erstens: Sie versuchen, die Überzeugung in die islamische Führung zu schwächen, indem sie ethnische oder konfessionelle Auseinandersetzungen ins Leben rufen. Denn sie wissen, dass die islamische Umma viel erreichen kann, wenn sie sich hinter einer Führung vereint.

Zweitens: Angriffe gegen Anti-Zionismus. Wann immer ein Politiker sich negativ über den Zionismus äußert, attackieren sie ihn. Und die Politiker haben daraus gelernt, dass sie dieses Thema meiden sollten.

Drittens: Homosexualität ist eine Parole der anti-islamischen Bewegung geworden.

Roshan Muhammed Salih: Sie haben bereits in den ersten Abenden dieses Muharrams im Islamischen Zentrum England einige Reden gehalten. Nun wurde ihnen aber verboten, weiterhin vorzutragen. Wie sollten Muslime auf die Attacken gegen sie reagieren?

Scheich Hamza Sodagar: In unserer Gemeinschaft gibt es Munafiqien (Heuchler). Das sind dieselben Leute, die Bilder verbreiten, auf denen steht, es sei eine schiitische Tradition, im Muharram die Kopfhaut von Kleinkindern aufzuritzen und sie bluten zu lassen (Tatbir bei Kleinkindern und Säuglingen). Die Munafiqien arbeiten mit den Kuffar zusammen, und die Kuffar wollen, dass wir das Thema Homosexualität schlucken, es endlich akzeptieren. Mit dieser Kampagne wollten sie die Herzen der Gläubigen verängstigen, sodass sie nicht mehr wagen, darüber zu sprechen.

Aber wenn die Feinde ein Ziel verfolgen, dann müssen die Gläubigen sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Wenn sie versuchen, einen Gelehrten zum Schweigen zu bringen, sodass er nicht mehr ins Vereinigte Königreich kommt, so muss die Gemeinschaft daraus lernen und fordern: Wir wollen diesen Gelehrten als Redner bei uns. Richtet diese Botschaft an die Kuffar – und mit „Kuffar“ meine ich die Feinde, die ein abstoßendes Bild vom Islam verbreiten, sodass der durchschnittliche Brite, Amerikaner, Franzose oder Deutsche zum Eindruck gelangt, der Islam sei gewalttätig. Sie verfolgen ihre Agenda, aber wir müssen ihnen die Botschaft entgegensetzen, dass die Muslime eine starke Identität besitzen und vor dieser Angstmacherei nicht resignieren werden. Das ist ein Krieg gegen den Islam, und wir wissen um unsere Verantwortung, den Islam zu verteidigen.


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