Interview mit Scheich Türkyilmaz zum Thema „Laienredner“


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Interview mit Scheich Sabahattin Türkyilmaz, schriftlich geführt und übersetzt aus dem Türkischen von den Geschwistern von MABUD.

MABUD: Welche Inhalte und Aussagen können wir als Nichtgelehrte über den Islam darstellen, beispielsweise im Rahmen von Veranstaltungen oder Artikeln?

Scheich Türkyilmaz: Wenn ihr kein Wissen in islamischen Themen besitzt, dann könnt ihr in keinem Themengebiet darüber erzählen, noch einen Vortag darüber halten. Wenn ihr aber in islamischen Themen Experten seid, dann könnt ihr über jedes Themengebiet reden und Vorträge halten. Die Wichtigkeit besteht darin, wie viel Expertenwissen ihr in den islamischen Themen aufweist.
Ihr würdet auch bestätigen, dass in einem Wissensgebiet die Experten sprechen sollten, zum Beispiel sollte in medizinischen Gebieten ein Arzt/Mediziner, in einem Ingenieur-Gebiet ein Architekt und Ingenieur und im juristischen Bereich ein Jurist reden dürfen und auch Ansichten vertreten dürfen. Wenn ein Mensch über ein Gebiet spricht, in dem er kein Experte ist, begeht er einen großen Fehler. Der Ausspruch „ein halber Arzt bringt einen um seine Gesundheit, ein halber Prediger (Gelehrter) bringt einen um seine Religion“ wurde den Überlieferungen der Imame (a.) entnommen.
Besonders wenn ein Mensch versucht seine eigene Meinung als die Meinung bzw. Sicht des Islams darzustellen, dann hat er Allah verleumdet. Imam Ali (a.) lehrt, dass Allah sagt: „Wer meine Worte nach seiner eigenen Ansicht interpretiert, glaubt nicht an mich.“
Imam Sadiq (a.) sagt: „Wer den Koran nach seiner Meinung interpretiert, hat Allah verleumdet. Und wer, ohne Wissen zu besitzen, Allah verleumdet, den verfluchen die Engel der Erde und des Himmels.“
Als Beispiel: Wenn jemand etwas, was er verstanden hat, aus seiner Sicht wiedergebend wie folgt darstellt: „Allah sagt Folgendes: …“, „Nach dem Islam ist es so: …“ oder „Der Islam sagt: …“, der sagt hier seine eigene Meinung. Diese Aussagen sind falsch. Was den Jugendlichen empfohlen ist zu tun, dass sie die Religion von ihrer Quelle her lernen sollen. Wenn sie über Angelegenheiten reden/erzählen wollen, müssen die Inhalte ihrer Reden aus den Ansichten der Experten bestehen.

MABUD: Wir haben ja auch eigene Erfahrungen mit dem Islam, wir lesen auch Bücher von Ayatullahs wir haben eigene spirituelle Erfahrungen in Bezug auf den Islam.

Scheich Türkyilmaz: Natürlich lernen Menschen durch das Lesen von Büchern Erfahrung und Wissen, aber durch Bücher lesen wird man kein „Alim“ (Experte), man wird kein Islamexperte. Um über ein Wissensgebiet zu reden, muss man in dem Bereich des Wissens in die Schule gehen und dort von Personen, die entsprechende Qualifikationen besitzen, lernen. Nur Bücher zu lesen, reicht nicht. Die Quellenliteratur des Islams muss gelesen und verstanden werden.
Wer die Quellenliteratur nicht gelesen hat oder nicht lesen kann, kann niemals Ansichten über den Islam vertreten. Die Quellen des Islams sind der Koran, die Sunna des Propheten (s.) und die Aussprüche der Ahlulbayt (a.) (die 4 Bücher der Schia). Und die Bücher der Gelehrten sind die größten helfenden Bücher, um die Religion zu verstehen.
Nur durch Bücherlesen wird man kein Alim. Als Beispiel: Kann man durch Medizin-Bücher lesen ein Arzt werden? Kann man durch das Lesen von Architektur-Büchern ein Architekt oder Ingenieur werden? Müsste man dafür nicht die Universität besuchen? Wenn ihr jeden Tag in ein Flugzeug steigt, werdet ihr dann zum Piloten? Wenn ihr jeden Tag im Auto neben dem Fahrer sitzt, werdet ihr dadurch dann ein Fahrer? Oder muss man etwa, um den Führerschein bzw. die Qualifikation zu erhalten, nicht in einen Kurs gehen?

MABUD: Für uns sind sie ein Hudschat-ul-Islam, also ein Wegweiser des Islams, deshalb würden wir Ihre Meinung auch so akzeptieren, aber würden Sie auch vielleicht mit Koran und Hadithen Ihre Meinung untermauern?

Scheich Türkyilmaz: Ayatullah Dschawad Amuli erläutert die Ayas zu dieser Angelegenheit wie folgt:
Isra 36, A’raf 169, A’raf 28 und andere Ayas sollen nach seiner Meinung zu dieser Thematik gehören und er zeigt auf, dass Menschen, die keine Expertise in einem Gebiet haben, über dieses auch nicht reden sollten.
Zur Frage der Hadithe beziehen wir uns auf die oben genannten Hadithe, die das gleiche Aussagen.
Rasulullah (s.) sagt: „Wer, obwohl er kein Wissen hat, ein „Hukum“ / Rechtsurteil ausgibt, auch wenn das gesprochene recht ist, der wird ins Feuer gehen.“ (Bihar-ul-Anwar, Band/75, S.247)
Rasulullah (s.) sagt: „Wer den Koran nach seiner eigenen Meinung interpretiert, selbst wenn es recht ist, hat einen Fehler begangen.“ (Tafsiri Tabari Band/1, S. 27)
Imam Ali (a.) sagt, dass Allah sagt: „Wer meine Worte nach seiner eigenen Ansicht interpretiert, glaubt nicht an mich.“
Imam Sadiq (a.) sagt: „Wer den Koran nach seiner Meinung interpretiert, hat Allah verleumdet, und wer ohne Wissen zu haben Allah verleumdet, den verfluchen die Engel der Erde und des Himmels.“
Es gibt noch viele solcher Überlieferungen, aber in diesem kurzen Beitrag gebe ich nur diese an.

MABUD: Ferner ist die Frage, wenn es Einschränkungen gibt, in welchen Bereichen gibt es Einschränkungen und wo gibt es keine?

Scheich Türkyilmaz: Wer in islamischen Angelegenheiten kein Experte ist, darf im Thema der Taten und Glaubensgrundsätze keine Ansichten vertreten. Über Themengebiete wie Rechtswissenschaft, Interpretation, Hadithe und Glaubensgrundsätze darf er keine Ansichten vertreten. (Seine) Ansichten über Themen wie haram (verboten), halal (erlaubt), makruh (verpönt) und mustahab (empfohlen) darf er nicht verbreiten.
Wenn jemand aber Wissen über den Islam hat, aber kein Experte im Islam ist, darf er nur über moralische Themen (Ahlak), politische Themen (Siyasi) und gesellschaftliche Themen Ansichten vertreten.

MABUD: Welche Wissensbereiche gibt es im Islam?

Scheich Türkyilmaz: Im Islam gibt es drei Grundgebiete: Diese drei Grundgebiete haben noch Unterpunkte.

  1. Itikad, Glaubensgrundsatz. Hier werden die Fundamente des Glaubens aufgezeigt.
  2. Fiqh, Rechtswissenschaft. Sie zeigen unter welche Rechtsurteilen Taten stehen; halal, haram, makruh, mustahab , wadschib, dschaiz (erlaubt, verboten, verpönt, empfohlen, verpflichtend, (dem Brauch gemäß) geeignet)
  3. Ahlak, Moral. Das Benehmen des Menschen und die Beziehungen der Menschen untereinander werden hier aufgezeigt.

MABUD: Wie sollen und können wir aktiv sein?

Scheich Türkyilmaz: Unsere Pflicht ist es, zum Islam einzuladen und ihn zu verbreiten. Den Islam müssen wir von den Islamexperten lernen. Wir müssen die Ansichten, die sie vertreten, verbreiten und nicht unsere eigenen Ansichten verbreiten. Wir müssen aktiv sein uns zu erziehen. Wir müssen aktiv sein die Ansichten der Mudschtahids zu verbreiten. Wir müssen aktiv sein die Ansichten der Islamexperten bekannt zu machen.

MABUD: Ist es richtig, die Bücher der Gelehrten zu lesen und die Ansichten von ihnen so zu verbreiten als wären es unsere? Unser Herz brennt nach dem Islam und der Unterstützung in diesem.

Scheich Türkyilmaz: Unser Herz sollte nicht nach dem Islam brennen, sondern nach uns selbst. Allah wird den Islam schützen, egal ob es uns gibt oder es uns nicht gibt. Wenn wir nicht existieren, wird er ihn mit anderen schützen. Allah benötigt niemanden. Allah benötigt auch nicht die Religion von jemandem oder ihn selbst. Wir benötigen Allah und seine Religion. Ayatullah Dschawad Amuli sagt: „Wer denkt, dass Allah oder seine Religion ihn selbst benötigt, der ist der Vielgötterei (Schirk) verfallen.“

Zum Abschluss möchte ich Folgendes hinzufügen:

Diese und ähnliche Fragen sind von den Feinden des Islam systematisch in die Köpfe der Muslime gesetzte Einflüsterungen („Waswasa“). Und ihre Ziele sind satanisch. Leider fallen manche muslimischen Geschwister auf dieses Spiel rein. Ihre Ziele sind folgende:

  1. Indem sie junge Muslime ermutigen und verführen und ihnen sagen, dass sie auch den Islam verstehen könnten, und sie auch Meinungen darüber äußern könnten, setzen sie den Gelehrten eine gegnerische Alternative entgegen.
  2. Indem sie die Meinung verbreiten, dass nicht nur die Mudschtahids Autoritäten der Religion seien und jeder das Recht besäße, über die Religion reden zu dürfen, wollen sie, dass die Religion den Pluralismus akzeptiert.
  3. Indem sie zwischen den Gelehrten und den Mudschtahids auf der einen Seite und dem Volk auf der anderen Seite Unruhe einsetzen, wollen sie das wahre Islamverständnis unterbinden.
  4. Unter dem Namen der Intellektualität junger studierter Muslime stärken sie deren Position gegen die Gelehrten und wollen somit die Religion schwächen.
  5. Sie wollen, dass die Jugend, entgegen ihren eigentlichen Aufgaben, diesen Einflüsterungen hinterherjagt und damit voll beschäftigt ist.

Wenn in den obigen beschriebenen Ausführungen einige Dinge unklar sind, könnt ihr gerne Fragen stellen. Zu diesem Thema selber müsste man einen Vortrag vorbereiten.

Möge Allah Erfolg schenken, so Allah will.


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