Islamophobie oder Muslimphobie? – Was nun?


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Gibt es wirklich „Islamophobie“ in der deutschen Gesellschaft oder handelt es sich vielmehr um „Muslimphobie“? Und was sind die Ursachen?

Schaut man sich die Diskussionen in den letzten Jahren an, so ist immer die Rede von einem neuen Wort: „Islamophobie“. Fast täglich sieht man Nachrichten über Muslime und den Islam, Talkshows behandeln das Thema Islam und Muslime, Sondersendungen etc. Meist, oder sagen wir fast immer, ist die mediale Berichterstattung nicht positiv gegenüber dem Islam und Muslimen. Ständig werden Terroristen gezeigt, diese dann als Muslime präsentiert und islamische Symbole oder Quran-Verse in die Berichterstattung eingebaut, sodass ein Zusammenhang zwischen Terrorismus und Islam suggeriert wird.

Islamophobie in Politik und Medien

Islamophobie existiert auf der politischen und medialen Ebene. In der Gesellschaft unter den Menschen, die seit über 40 Jahren friedlich in Deutschland leben, besteht Islamophobie nicht. Islamophobie ist aus meiner Sicht eine Sache, die von oben künstlich produziert wird. In den Medien wird ein undifferenziertes Bild vom Islam vermittelt. Ständig werden Begriffe, wie Angst, Terror, Herrschaft, Bedrohung etc. mit dem Islam erwähnt, welches letztendlich dazu führt, dass der Islam als Bedrohung, ja als etwas fremdes und feindliches wahrgenommen wird.

Jedoch ist es unzureichend, wenn man von der Islamophobie in den Medien und Politik auf eine allgemeine Islamophobie unter den Menschen schließt. Die Menschen in Deutschland leben seit Jahrzehnten friedlich miteinander und haben dieses Problem nie gehabt. Die Akzeptierung und Bejahung der Islamophobie in der Gesellschaft und unter den Menschen ist eigentlich ein Siegeszug der Medien, die genau diese feindliche Stimmung in der Gesellschaft zu installieren versuchen, damit einerseits der Islam aktiv bekämpft wird und die Menschen mit sich selber beschäftigt sind (Nichtmuslime gegen Muslime, Muslime gegen Nichtmuslime, Muslime gegen Muslime, Nichtmuslime gegen Nichtmuslime) und andererseits um die wirklich brennenden und wichtigen Themen in der Gesellschaft an den Rand zu drängen. Schaut man sich allein die Talkshows an, so sehen wir, dass laut einer Untersuchung der Islam das meistdiskutierte Thema im Jahr 2014 war. Ganz zu schweigen von den provokanten und irreführenden Titeln. (Siehe hier in UnserIslam.)

Muslimphobie in der Gesellschaft

Aber was ist es dann in der Gesellschaft, was Muslime tagtäglich erleben? Es ist meiner Meinung nach die Muslimphobie. Das bedeutet, dass sich der Hass und die Ablehnung gegen Muslime allgemein richtet. Denn wie könnte es denn sein, dass es Islamophobie ist, wo viele Nichtmuslime als auch Muslime gar nicht wissen, was der Islam ist? Wie könnte man denn gegen eine Sache sein, ohne sie zu kennen?

Muslimphobie bedeutet „Angst vor dem Muslim“. Wenn in Europa eine Angst in den Gesellschaften vorherrscht, dann ist diese Angst in der Angst gegenüber Muslimen begründet und nicht gegenüber dem Islam. Das Leben der Muslime in Deutschland basiert (meistens) nicht auf dem Islam, sondern die meisten pflegen ihren eigenen nationalen Kultur-Lebensstil. Andererseits hat die westliche Gesellschaft den Islam noch nicht so ausreichend kennengelernt, dass sie dies unterscheiden könnte. Imam Ali (a.) sagt: „Der Mensch ist der Feind dessen, was er nicht kennt.“ Auch aus diesem Grund haben die westlichen Gesellschaften ein Stadium erreicht, in welchem man Angst vor den Muslimen hat, jedenfalls von einigen Muslimen. Das sind eigentlich soziologische Fragstellungen, die näher untersucht werden müssten, warum man Angst vor Muslimen hat. Ich werde nur einige Gründe aufzählen, die als Ursache für diese Angst gelten können:

  1. Das Schweigen der Politiker gegenüber den Übergriffen auf Muslime und muslimischen Einrichtungen.
  2. Die Gleichstellung des Lebens der Muslime mit dem Islam. Alles was Muslime tun, wird dem Islam auferlegt und man versucht es so zu erklären, dass dieses und jenes Verhalten im Islam gründe.
  3. Der unislamische Lebensstil vieler Muslime, die nicht nach der islamischen Kultur leben und handeln, sondern nach ihrer eigenen nationalen Kultur und dies zumeist auch noch als islamisch preisen.
  4. Die Menschen lernen den Islam nicht aus den Quellen des Islam kennen, wie z.B. vom Quran, sondern durch Medien und dem Lebensstil der Muslime.

Dieses Problem wird zudem dadurch verschärft, dass Muslime und NGOs diese Gründe für die Islamophobie und Muslimphobie nicht ganz verstehen und sich nicht mit den Problemen der Jugend beschäftigen. Vielmehr braucht es auch nicht nur in der Gesamtgesellschaft, sondern vor allem auch unter Muslimen eine Debatte darüber, was der Beitrag der Muslime zur Islamfeindlichkeit und Muslimfeindlichkeit ist, und was man sonst tun könne, um die Ursachen, die bei den Muslimen selbst liegen, zu ändern und zu beseitigen.

Begriffliche Anmerkung des Autors: Muslimphobie wird zumeist auch als „antimuslimischer Rassismus“ bezeichnet. Diese Wortwahl benutze ich hier bewusst nicht, denn sie suggeriert, dass es ein oberflächliches Rassismusproblem sei, was aber so nicht gesagt werden kann, denn die Gründe für die Muslimphobie sind tief greifender und es niemanden damit geholfen, jeden, der auch nur ein wenig Angst gegenüber Muslimen hat, als Rassisten zu bezeichnen und abzustempeln. Vielmehr brauchen wir eine differenzierte Debatte darüber.


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