Monat Ramadan: Monat der Gottesnähe


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„Wir haben doch den Menschen erschaffen und wissen, was ihm seine Seele einflüstert. Und Wir sind ihm näher als die Halsschlagader“ (Heiliger Qur’an 50:16). Dieser Vers besagt, dass Gott uns so nahe ist, dass er alles über uns weiß und dass wir uns über nichts Sorgen machen und uns nie alleine fühlen brauchen, weil wir nie alleine sind. Er ist immer bei uns. Bedeutet dies, dass wir automatisch auch ihm nahe sind?

Wenn ein Mensch mir nahe ist, bin ich gleichzeitig doch auch ihm nah. Dies gilt zwar für die Beziehung zwischen den Menschen aber nicht für die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Denn Gott ist uns immer nahe, egal wie fern wir zu Ihm sind. Er weiß alles über uns, auch wenn wir nichts über Ihn wissen und Er sieht uns, auch wenn wir Seine Wunder, die uns jeden Tag präsentiert werden, übersehen.

Also können wir Ihm fern sein, auch wenn Er uns nahe ist. Es ist bekannt, dass jeder Mensch versuchen sollte, sich seinem Schöpfer zu nähern, um Seine Liebe empfangen zu können, da Seine Liebe immer da ist, wir aber durch unsere innere Entfernung diese Liebe nicht spüren können. Es gibt zahlreiche Methoden und Möglichkeiten, sich seinem Schöpfer zu nähern. Eine dieser Methoden ist das Fasten und insbesondere das Fasten im heiligen Monat Ramadan. Allah der Erhabene sagt in einem hadith qudsi:

Das Fasten ist für Mich, und ich gebe die Belohnung dafür.

Wahrlich, ein Gläubiger fastet für Gott, d.h. er fastet, um Ihm näher zu kommen. Der Kontakt zu Gott sollte nicht unterschätzt werden. Diese Gottesnähe ist der wichtigste Kontakt des Gläubigen mit Gott. Oder wie Imam Chamenei sagt:

„Alles, was wir besitzen, hängt von diesem Kontakt (mit Gott)  ab, der unser Herz stärkt, damit wir uns vor nichts und niemanden fürchten.“

Kein Mensch kann etwas für Gott tun. Alles, was wir tun dürfen, ist nur für uns, um Seiner Liebe nahe zu kommen. Der wahre Lohn unserer Taten ist weniger das, was wir dafür bekommen, als das, was wir dadurch werden. Insbesondere das Fasten im Monat Ramadan gibt die Möglichkeit, Gott näher zu kommen. Auf die Frage, warum der Fastenmonat „Ramadan“ heißt, antwortete der Gesandte Gottes (s.):

Der Monat Ramadan wurde so genannt, weil er die Sünden verbrennt.

„Die Sünden verbrennen“ bedeutet, dass alle Hindernisse auf dem Wege zu Gott abgeschafft werden. Gott gibt uns die Gelegenheit, uns davon zu entfernen, was uns hindert, ihm nahe zu kommen. Durch das Fasten werden unsere Gedanken von allem Weltlichen befreit. Wir brauchen den ganzen Tag über nicht mehr ans Essen zu denken. Bei allem, was wir machen, denken wir daran, ob es nötig ist und ob es um Gottes willen geschieht. Unser Handeln und unsere Gedanken sollen an Gott erinnern und nichts wird gemacht, was von uns Gott entfernt. Beispielsweise überlegen wir beim Einkaufen, ob wir es am Abend essen werden, ob es gesund ist, ob es angebracht ist, ob wir denn nicht zu viel haben, ob es uns träge machen würde, sodass wir uns nicht mehr beim nächtlichen Gebet konzentrieren können. Also wird unser Handeln überlegter und wir denken an unseren Körper und daran, was für seine Näherung an Gott nützlich ist.

Das Fasten soll auch dazu führen, dass wir uns vom Kapitalismus befreien. Wir kaufen im Zustand des Fastens nicht nur bewusster ein, sondern fragen uns, woher diese Produkte kommen, wie sie produziert wurden, ob sie gut für unseren Körper sind, ob sie uns träge machen würden, sodass wir nicht mehr unsere nächtlichen, freiwilligen Gebete verrichten können. Wir achten auf alles, was unsere Seele begehrt, ob es nötig ist oder eine Falle des Kapitalismus, der bei uns den Schein erweckt, dass wir etwas bräuchten.

Das Fasten bringt uns auch dazu, dass wir auf alles, was unsere Seele begehrt, verzichten, wenn es unserem Körper schadet oder wenn es dazu führt, dass wir davon besessen sind, statt dass wir es besitzen. Ja, nicht nur verschieben auf den Zeitpunkt nach dem Sonnenuntergang, sondern komplett verzichten, weil es uns körperlich und spirituell schadet, wobei wir außerhalb vom Monat Ramadan unüberlegt direkt konsumieren, statt drüber nachzudenken.

Beim Gebet spürt der Fastende seinen Gott. Dadurch, dass er leichter geworden ist, nicht nur körperlich, sondern auch im Herzen, kann er leicht in den Himmel hinaufsteigen. Sein Herz ist leichter, weil er all seine Sorgen vergisst. Gott ist jedem nahe, der versucht ihm nahe zu kommen. Der Fastende spürt im Gebet seine Unabhängigkeit und seine Freiheit. Er ist unabhängig, unabhängig sogar von Existenziellem. Imam Chamene’i sagt in diesem Zusammenhang:

Der Monat Ramadan ist jedes Jahr ein Stück Paradies, welches Gott in der brennenden Hölle unserer materiellen Welt in Erscheinung treten lässt, wobei Er uns die Gelegenheit gewährt, an der göttlichen Festtafel in diesem Monat teilzuhaben und das Paradies zu betreten. Es ist der Monat, in dem jeder Einzelne zu den verborgenen immateriellen göttlichen Schätzen eilen und sich, soviel er kann, davon nehmen sollte.

Seine Freiheit spürt der Fastende dadurch, dass er, obwohl sein Körper ihm etwas anderes befielt, sich dagegen entscheidet. Die animalische Seite versucht den ganzen Tag über den Fastenden davon abzubringen sich Gott zu nähern. Morgens und mittags protestiert sie laut, aber der Fastende entscheidet sich für seinen Herrn. Abends protestiert sie nur noch leise, weil es die Hoffnung aufgibt und kurz vor dem Fastenbrechen hört man plötzlich nichts mehr von ihr. Man hat die Prüfung für diesen Tag bestanden, das Animalische hat man besiegt.

Aber der Fastende ist sogar während des Fastenbrechens nicht wie an sonstigen Tagen. Er ist sich bewusst, dass das eigentliche Fasten nach dem Fastenbrechen beginnt. Er achtet darauf, wie er isst. Dass er langsamer essen muss, mehr kauen muss und auf sein Hungergefühl achten muss, um sich nicht vollzufressen. Er frisst nicht, sondern isst. Er bedankt sich bei seinem Herrn für all die Gaben am Abend. Obwohl er nichts davon wollte und bereit ist auf alles zu verzichten, bekommt er von seinem Herrn so eine reichhaltige Gabe. Der Fastende bedankt sich und denkt an all diejenigen, die diese Gaben nicht haben und auch am Abend geduldig weiter fasten müssen. Der Gesandte Gottes sagte:

Das Fasten ist die Hälfte der Geduld.

Im Monat Ramadan lernt man besonders viel über Geduld. Ungeduld ist ein Hindernis auf dem Wege Gottes und im Monat Ramadan wird uns gewährt, uns von diesem Hindernis zu lösen. Wenn sich der Fastende sogar existenziellen Bedürfnissen entzieht und geduldig bis zum Abend wartet, um seinem Körper wieder Energie zu schenken, warum soll er nicht immer und zu jedem geduldig sein? Wenn wir diese Eigenschaft nicht in diesem Monat lernen, wann sonst?

Der Fastende hat in diesem Monat die besten Chancen sich seinem Herrn zu nähern, weil er durch das Fasten lernt, Hindernisse auf dem Weg zu seinem Herrn zu überstehen. Auf dass wir jede Gelegenheit nutzen Gottesnähe zu erlangen oder wie Imam Chamene’i lehrt:

Wenn wir den Monat Ramadan in einem Satz zusammenfassen wollten, so wäre zu sagen: Er ist der Monat der Gelegenheiten. Der Monat Ramadan, der auch eine göttliche Gelegenheit ist, wurde uns zur Verfügung gestellt. Nutzt diesen gesegneten Monat. Nutzt diese außerordentlich große Gelegenheit.


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