Reicht die Halal/Haram-Denkweise für eine islamische Lebensweise aus?


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Halal und Haram, also Erlaubtes und Verbotenes im islamischen Sinne, sind zwei wichtige Aspekte, die jeder Muslim kennen sollte.

Halal und Haram – Kenntnis über Halal und Haram als Grundvoraussetzung eines islamischen Lebens

Zum korrekten islamischen Verhalten gehört es, dass der Muslim ein Bewusstsein hat, ob seine Handlung im islamisch-rechtlichen Sinne „erlaubt“ oder „verboten“ ist. Als einfaches Beispiel sei das Schweinefleisch erwähnt: Der Verzehr von Schweinefleisch im Islam ist nicht erlaubt, haram, wohingegen der Verzehr von nach islamischen Regeln geschlachtetem Hähnchenfleisch halal ist. Und es gibt noch viele weitere Halal- und Haram-Regeln, die ein Muslim, der nach dem Islam leben möchte, kennen sollte.

Bei jeder Handlung müsste man zuerst wissen, ob man eine erlaubte Handlung oder eine Verbotene praktiziert. Wenn man sehr kleinlich ist, kann es entsprechend auch sehr anstrengend werden. Das kann nicht der Sinn von islamischen Geboten sein das Leben zu erschweren.

Was kommt nach Halal

Eine Halal-Handlung besitzt vier Ebenen: Mal ist eine Handlung wajib (Pflicht), manchmal mustahab (empfohlen), regelmäßig mubah (gleichgültig) oder stellt sich als makruh (nicht empfohlen, verpönt) dar.

D.h. dass, wenn wir das Verbotene beiseitegelegt haben, wir unsere Halal-Taten noch einmal differenzieren können in verpflichtend, empfohlen, gleichgültig und verpönt. Der Sinn dieser Differenzierung ist es, dass es Halal-Taten gibt, deren Nutzen und Lohn im Diesseits und Jenseits größer oder geringer ist. Die Differenzierung ist eine Aufgabe, die den islamischen Rechtsgelehrten obliegt und deren Ableitung dem Laien nicht immer leicht verständlich erscheinen dürften. Das tägliche Gebet oder das Fasten im Monat Ramadhan stellen eine Pflicht dar, wohingegen der Verzehr von einigen Tieren makruh, also verpönt, ist.

Das sind zweifelsohne Punkte, die für ein islamisches Leben unabdingbar sind. Ein Muslim, der seinen Glauben ernst nimmt und ihn bewusst praktizieren möchte, sollte in Kenntnis über diese Themen sein. Generell stellt dies auch kein Problem dar, denn die Mehrheit der Muslime kennt die Gebots- und Verbotsregeln des Islam. In den wenigsten Fällen tut man eine nicht erlaubte Handlung, ohne in Kenntnis darüber gewesen zu sein. Ich habe nur selten gehört, dass jemand aus Unwissenheit eine unerlaubte Handlung begangen hat. So habe ich bis heute keinen Muslim gesehen, der behauptet hätte, er habe Diebstahl und Mord begangen, im guten Glauben daran, dass dies erlaubt sei. Bei Zweifeln muss man sich erkunden, ob die eine gewisse Handlung, erlaubt oder nicht erlaubt ist.

Reicht mir die Kenntnis über Halal und Haram, um islamisch zu leben?

Die oben erwähnten Punkte werden generell von allen Muslimen akzeptiert und im Allgemeinen hat man ein Bewusstsein dafür, dass in erster Linie seine Handlungen im Reinen sein sollten. Er darf keine verbotenen Handlungen begehen. Denn er kennt auch die Konsequenzen von Sünden, wie schwachen Charakter, moralische Verwahrlosung, die Minderung der Göttlichen Gaben im Diesseits und zuletzt natürlich die Abrechnung der guten und schlechten Taten im Jenseits. Der Glaube an einen Leben nach dem Tod und an die Gerechtigkeit Gottes gehört zu den Grundpfeilern des Islam.

Doch der Muslim gibt sich normalerweise nicht zufrieden mit halal und haram allein. Er möchte mehr wissen und noch besser handeln. Deswegen versucht er zu differenzieren und möchte gerne auch wissen, was die mustahab (empfohlenen) Taten sind. Doch beides reicht ihm wiederum nicht, um als guter Muslim zu leben, denn die Welt und die menschlichen Beziehung sind so komplex geworden und der heutige moderne Mensch ist geprägt vom Anspruch nach Perfektion, so dass es ihm nicht mehr genügt sich nur regelkonform zu verhalten.

Der Muslim möchte die Weisheit seiner Handlungen verstehen und das tun, was ihn zur Vervollkommnung näherbringt und ihn im Jenseits auf eine höhere Stufe stellt.

Islamische Denk- und Lebensweise

Die islamische Denk- und Lebensweise ist der wichtigere Teil. Zuerst muss man einen islamischen Blick, eine islamische Denkweise, eine islamische Perspektive entwickeln und einnehmen. Man muss die Dinge aus dem Blickwinkel des Islam betrachten können. Dies ist nicht nur wesentlich leichter als alle islamischen Rechtsregeln bis ins letzte Detail zu kennen, sondern erleichtert auch den Islam zu lernen und in Alltagssituationen besser zu handeln.

Wenn ein Mensch eine islamische Lebensweise und einen islamischen Blick im Alltag besitzt, so wird er nicht erst darüber grübeln, ob eine Sache „halal, haram, wajib, mustahab, mubah oder makruh“ ist. Im Umgang mit den Eltern, mit den Nachbarn, mit seinen Lehrern, mit seinen Mitschülern oder Arbeitskollegen wird es herzlich wenig bringen alle Detailfragen von halal oder haram zu kennen. Hilfreicher ist es zu wissen, was der Islam allgemein in diesen Lebenssituationen empfiehlt.

Wenn ein Muslim ein Fundament islamischer Denkweise besitzt, so wird er sich nicht immer fragen, ob Diebstahl und Sachbeschädigung erlaubt sind, sondern er wird es nicht einmal für möglich halten so zu denken. Insbesondere zwischenmenschliche Beziehungen und Beziehungen innerhalb der Familie lassen sich viel leichter angehen, wenn man eine islamische Sichtweise besitzt und nicht auf seine Rechte pocht.

Mir fällt ein reales Beispiel ein, wonach zwei Bekannte den Auftrag bekamen eine Wohnung aufzulösen. Sie ließen sich schriftlich zusichern, dass sie all den Wohnungsbestand (inkl. aller Wertgegenstände) für sich behalten könnten. Während der Auflösung fanden sie eine große Menge Bargeld. Ohne zu Zögern, ohne darüber zu grübeln, ob sie das Geld behalten dürfen, ob es halal oder haram ist, es zu behalten, ohne auf eine Fatwa zu warten, riefen sie die Auftraggeberin an und gaben ihr das Geld zurück. Das war nicht nur eine einfache und richtige Entscheidung, sondern auch eine, die viel Lob verdient.

Und auch in vielen weiteren Bereichen des Lebens ist es viel einfacher und auch geboten nach der Islamischen Lebenskultur zu leben, statt sich eine Lebensweise nur mit Halal und Haram aufzubauen und bei jeder Kleinigkeit schon ins Grübeln zu kommen, wie nun der Sachverhalt zu bewerten sei.

Insofern beginnt die islamische Lebensweise nicht mit “Halal und Haram”, sondern mit der Klärung der Frage, was einen Muslim ausmacht, was der Islam ist und wie man am besten islamisch in der jeweiligen Gesellschaft in der man sich befindet, leben kann. Vor allem bei der Erziehung der Kinder sollte man darauf achten, wenn man sie islamisch erziehen möchte, ihnen beizubringen, was der Islam ist, was der Islam bedeutet, was einen islamischen Lebensstil ausmacht, wie man islamisch denkt und nicht, ob es für eine Tat im Jenseits eine Strafe gibt und wie hart diese ist.


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