„Staatsschutz lässt Iran-Plakat hängen“: Delmenhorster Kreisblatt über den zweiten Brief Imam Chamene’is und das Plakat


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kreisblattgedruckt

Heute berichtete das Delmenhorster Kreisblatt auf Seite 1 über die Plakat-Aktion. Titel: „Staatsschutz lässt Iran-Plakat hängen: Werbetafel am City-Center zeigt religiösen Führer Irans – Jüdische Gemeinde gelassen“. Der gedruckte Artikel ist eine gekürzte Fassung des Online-Artikels.

Ich habe als Journalist von Offenkundiges.de mit dem Autor Frederik Grabbe telefoniert, anschließend mit seinem Vorgesetzten, dem Chefredakteur der Zeitung Michael Korn.

Ich hatte zwei Fragen: Erstens fragte ich, warum Yavuz Özoguz, der im Artikel mehrmals erwähnt wird, nicht kontaktiert und zur Plakat-Aktion befragt worden war. Und zweitens, was die jüdische Gemeinde mit dem Plakat zutun hätte, die gleich zweifach im Bericht zu Wort kommt.

Auf die erste Frage antwortete Autor Grabbe: „Bei uns im Haus gibt es manchmal die Politik, dass wir manchen Leuten, die wir für verfassungsfeindlich halten, kein Forum bieten möchten.“ Ich sollte aber bitte über solche Fragen mit seinem Vorgesetzten sprechen. Ich stellte noch meine zweite Frage. Seine Antwort: „Herr Özoguz steht im Ruf, Israel oder Juden nicht positiv gegenüberzustehen, deswegen wollte ich dort eine Meinung einholen.“ Er bat erneut darum, mich mit seinem Vorgesetzten zu verbinden, ich stimmte zu.

Chefredakteur Michael Korn beantwortete meine erste Frage etwas eigenwillig: „Dazu sahen wir keinen Anlass.“ Ich war überrascht, denn die Redaktion sah einen Anlass dazu, die Hälfte ihres Berichts Yavuz Özoguz zu widmen. Keine Plattform bieten also, kein Anlass. Auf meine Nachfrage, warum sie denn keinen Anlass gesehen hätten, sagte Korn nur: „Dazu muss ich Ihnen keine Auskunft geben.“ Stimmt, muss er nicht.

„Wenn wir darüber diskutieren, kommen wir an die grundsätzliche Geschichte, was der Muslim-Markt bezweckt, was Herr (Yavuz) Özoguz bezweckt“, antwortete er auf meine zweite Frage. „Sie werden wahrscheinlich verwandt sein.“ Ich bejahte. „Es ist ja hinlänglich bekannt, dass Sie – nicht Sie persönlich, aber wahrscheinlich auch – vom Verfassungsschutz beobachtet werden.“ Es folgten noch Israelkritik, iranische Staatsdoktrin. Es blieb alles im Ungefähren, Konkretes konnte oder wollte er nicht nennen.

Was dies alles mit meiner Frage nach der jüdischen Gemeinde in Delmenhorst zutun hatte, verstand ich nicht. Als wenn Herr Becerra, der sich im Bericht zum Plakat nicht äußern wollte und sich trotzdem äußerte, der israelische Botschafter in Delmenhorst sei, weil er Vorsitzender der hiesigen jüdischen Gemeinde ist. Eine gefährliche Verbindung von Judentum und dem Staat Israel, die viele Juden zurückweisen.

Der Bericht selbst enthält mehrere falsche Behauptungen, die sich hinter Vermutungen und Konjunktiven verstecken. Hassan Madani hat dazu einen ausführlichen Kommentar verfasst.

Ich möchte einen anderen Aspekt des Berichts herausstellen: Das Delmenhorster Kreisblatt ist die erste und meines Wissens nach bisher einzige westliche Zeitung Deutschlands, die über den zweiten Brief Imam Chamene’is berichtet hat!

„Das Plakat sei eine Referenz zu Chameneis 2. Brief an die Jugend im Westen, den er als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris Anfang November verfasst hat, ist dort zu lesen. „In vielen Teilen der Welt leiden die Menschen unter Terrorismus: Frankreich, Syrien, Yemen, Irak, Libyen. Der Imam stellt damit das Leid des Einen nicht über das Leid des Anderen.“ In dem Brief habe Chamenei auch darum gebeten, sich unvoreingenommen, fern vom „blinden Hass der westlichen Medien“ mit dem Islam zu befassen.“

Dazu meine ehrliche Gratulation. Denn trotz aller Vorbehalte haben die verantwortlichen Journalisten die Nachrichtensperre durchbrochen, dies bedarf Mut und verdient Anerkennung.

Dieser erste Schritt zur Wahrheit eröffnet ihnen auch einen zweiten: Dass sie sich endlich überwinden und mit uns direkt sprechen, anstatt die jüdische Gemeinde immer wieder nach uns zu befragen.

An Herrn Grabbe, Herrn Korn: Ich habe sie beide als freundliche Menschen und redliche Journalisten kennengelernt, bisher leider nur am Telefon. Ich würde mich freuen, Sie auch persönlich kennenlernen zu dürfen. Ihre häusliche Politik mögen sie dabei beibehalten: Zitieren Sie uns nicht, bieten Sie uns keine Plattform. Aber informieren Sie sich wenigstens über uns, in dem Sie mit uns sprechen. Das sind Sie nicht uns schuldig, sondern sich selbst. Dies ist kein rhetorischer Schluss meines Artikels, sondern eine ehrliche und ernst gemeinte Einladung, frei von journalistischen Zwängen und ohne einen Bericht darüber verfassen zu müssen.

Auch veröffentlicht im Schia-Blog


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