Weniger Streubomben aufgrund besserer Bomben?


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Stellen wir uns einmal vor, ein Politiker würde folgende Aussagen treffen:

„Hätte Adolf Hitler effektivere Hinrichtungsmethoden gehabt, hätte er die jüdische Bevölkerung nicht qualvoll vergasen müssen“ oder „Hätten die US-amerikanischen Soldaten im Vietnamkrieg bessere Waffen gehabt, hätten sie kein Agent Orange einsetzen müssen“.

Er würde einen „Shitstorm“ an Kritiken bezüglich seiner menschenverachtenden und antisemitischen Äußerungen auslösen. Psychotherapeuten würden ihm mit Sicherheit eine krankhafte Wahrnehmungsstörung attestieren. Seine Karriere würde mit einer öffentlichen Entschuldigung und Rücktritt enden. Zu Recht! Welcher normal denkende Mensch äußert schon solche perversen Aussagen. Ohne jeden Zweifel wäre dies eine Person, die von Frieden und Gerechtigkeit nicht viel versteht. Stimmt! Also so jemand wie John McCain.

Der amerikanische Senator John McCain hat in einem Interview den Amerikanern eine Teilschuld am Gebrauch von Streubomben durch die ukrainische Regierung gegeben. McCain wörtlich: „Ich denke, wenn wir sie mit den Waffen unterstützt hätten, die sie benötigten, hätten sie nicht auf Streubomben zurückgreifen müssen. Also tragen wir eine Teilschuld daran.“ Herr McCain, der sich in der Vergangenheit erwiesenermaßen mit dem wahabitischen Terroristenführer Al-Baghdadi getroffen hat, fordert demnach tödlichere Waffen für die ukrainische Armee. Die faschistischen Söldner müssen dann nicht mehr mit Streubomben auf Spatzen schießen, sondern können echte Kanonen benutzen. Berichten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge hat die ukrainische Armee mehrfach Streubomben über dicht besiedeltem Gebiet, u.a. in Doneszk und Lugansk, verwendet. Am 2. Oktober ist dadurch ein Mitarbeiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) tödlich verletzt worden. Mittlerweile sind 5000 Menschen dem Krieg in der Ukraine zum Opfer gefallen. Hier eine Schuld der amerikanischen Regierung einzugestehen wäre angebrachter.

Und selbst wenn wir die kranke (Un-)Logik McCains einmal als richtig annehmen: Israel besitzt die modernsten Waffensysteme. Wieso wirft das zionistische Regime im besetzten Palästina regelmäßig Streubomben über Gaza ab? Es werden sogar Phosphor- und Thermitgranaten eingesetzt. Müssten sie nach der Logik McCains nicht überflüssig sein? Wer trägt daran die Schuld? Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Der norwegische Arzt Erik Fosse erzählte während einer Pressekonferenz am 13. Juli 2014 im Al-Shifa Krankenhaus: „Viele der Opfer, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, bestätigen, dass Israel international verbotenen Waffen der DIME-Spezifikation eingesetzt hat.“ [DIME = Dense Inert Metal Explosive; Sprengstoff mit dichtem, inerten Metall]. DIME-Geschosse verursachen den Verlust von Gliedmaßen und erzeugen Wunden, die nicht mehr behandelbar sind. Sie töten ihre Opfer durch die Amputation von Gliedmaßen und beinhalten das krebserregende Schwermetall Wolfram. Rascha Abo Jalal zitierte am 12. August Ärzte und Menschenrechtsaktivisten, die aussagten: „Während des zweistündigen Aufenthaltes von Al-Monitor im Krankenhaus beobachteten wir die Ankunft von elf Zivilisten, welche alle amputierte Gliedmaßen hatten, acht von ihnen starben kurz nach ihrem Eintreffen. Die Amputationsstellen wiesen ähnliche spezifische Muster auf. Die Haut war verkohlt und das Gewebe extrem beschädigt, wobei die Knochen aussahen, als ob sie abgesägt worden wären.“

Auch im Libanonkrieg 2006 hat Israel Streubomben eingesetzt. Angaben der Vereinten Nationen zufolge sollen sich 100.000 nicht explodierte Sprengkörper aus Streubomben im Südlibanon befinden. Meistens fallen Kinder den Blindgängern (UXO) zum Opfer. Es kommen noch 400.000 Minen aus früheren Kriegen hinzu. Der UN Nothilfekoordinator Egeland bezeichnete es als „schockierend“ und „unmoralisch“, dass 90 Prozent der Streubomben in den letzten 72 Stunden, also unmittelbar vor dem Waffenstillstand, abgeworfen wurden. Zu einer Verurteilung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist es nie gekommen.

Also nicht nur, dass die Aussagen von McCain menschenverachtend und realitätsfern sind, es hat sich am Beispiel von Israel herausgestellt, dass vielmehr das Gegenteil der Fall ist. Die Medien haben keinen Anstoß an den Äußerungen McCains gefunden. Es bleibt daher an uns gerechtigkeitsliebenden Menschen, solche Aussagen anzuprangern und ihre Urheber zu verurteilen.


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