Wie die Globalisierung den Islam vernichten soll


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Der nachfolgende Artikel analysiert in Anlehnung an Vorlesungen von Prof. Rahimpour die Absichten, die Strategien und die Auswirkungen der Globalisierung auf die Welt, vornehmlich die Islamische Welt.

Welche Absicht verfolgt die Globalisierung in der Islamischen Welt?

Globalisierung im Sinne des „weltlich werden“ ist ein natürlicher Prozess, bei der sich die Zivilisation durchsetzt, die aktiver, wissenschaftlicher und praxisorientierter agiert. Der Islam hat nichts gegen den natürlichen Prozess, also mit der Natur des „weltlich Werdens“. Darunter kann man die Verbreitung der Beziehungen, die Ausbreitung von Wirtschaft und Handel sowie die Verbreitung von Verstand und Vernunft verstehen. Obwohl der Islam nichts gegen die Natur des „weltlich Werdens“ hat, steht sie ihrer wahren Absicht jedoch kritisch gegenüber.

Der Westen – und damit ist nicht die geographische Lage, sondern das ideologische und politische Verständnis gemeint – teilt die Welt in eine hoch- und niederentwickelte ein. Auf Basis dieser Einteilung ist die Islamische Welt aktuell in den Kerngebieten der Globalisierung, und zwar der Politik, der Wissenschaft und der Wirtschaft in der niederen Position und nicht in der höheren. In einer Welt der Verflechtungen und Beziehungen, unterstützt durch die sich stetig weiterentwickelnde Technologie und Kultur, ist es auch im natürlichen Prozess unabdingbar, dass der Stärkere den Schwächeren unterwerfen wird.

Dieser Artikel handelt von der Globalisierung in ihrem nachteiligen Sinne. Das heißt: die Schaffung einer Weltordnung mit all ihrer mächtigen Last, die nicht mehr durch einen natürlichen Prozess zustande kommt, sondern ein durchgeplantes Projekt ist. Diese neue Weltordnung wird von ihren Profiteuren zur Erschließung und völligen Ausbeutung der Islamischen Länder errichtet: Die Bevölkerungen der islamischen Länder werden zu passiven Teilnehmern eines globalen Marktes funktioniert, zu Konsumenten, Arbeitskräften und bloßen Verwaltern ihrer Ressourcen. Diese neue Weltordnung verfolgt das Ziel, die gesamte Welt und vor allem die Islamische Welt zu kontrollieren.

Das ist die Herrschaft des kolonialistischen Expansionismus, die vom Westen durch den liberalen Kapitalismus zur Besetzung der gesamten Welt verwendet wird.

Wie erfolgt diese Globalisierung in der Islamischen Welt?

Die Globalisierung, d.h. die Kontrolle über die islamischen Länder im Rahmen der Weltordnung des Westens erfolgt im Wesentlichen auf folgenden drei Ebenen:

  1. Wirtschaft
  2. Politik
  3. Kultur

Wirtschaft

Auf der wirtschaftlichen Ebene wird das Ziel verfolgt, die Herrschaft der kapitalistischen Konzerne des Westens über die Welt und insbesondere der Islamischen Welt folgendermaßen auszubauen:

  1. Herrschaft über die Bodenschätze
  2. Herrschaft über die Märkte
  3. Änderung des Konsumverhaltens der Menschen
  4. Schaffung und Förderung der Kultur der Verschwendung, der Gier, des Konsum- und Genusswahnsglob2

Es ist offensichtlich, dass man auf dem Gebiet der Wirtschaft eine Abhängigkeit der Islamischen Welt verfolgt mit der Konsequenz von Herrschaft und Ausbeutung.

Politik

Auf der politischen Ebene wird das Ziel verfolgt über die Politik der Islamischen Welt zu herrschen. Dazu schmiedet der Westen Intrigen und säet Zwietracht, in dem religiöse, rassistische und nationalistische Kriege unter den Muslimen künstlich herbeigeführt werden. Seit einigen Jahren besetzt der Westen sogar die islamischen Länder, zerstört mittels militärischer Kriegszüge das Hab und Gut der Islamischen Welt und versucht mit aller Gewalt, seine politische Ideologie umzusetzen. Diese Ziele werden unter den Phrasen „Umstrukturierung des Nahen Osten“, „Regime Wechsel“ oder „Unterstützung von moderaten (regierungsfeindlicher) Rebellen umgesetzt.

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Es ist klar zu erkennen, dass der Westen ihr politisches Hauptziel, und zwar die Umsetzung der Politik der Modernität in Form der westlichen „Demokratie“ in der Islamischen Welt verfehlt hat und diese Strategie bisher kläglich versagt hat. Denn in jedem islamischen Land, in dem wirklich demokratische Wahlen stattfinden, erhält die politische Ausrichtung die meisten Stimmen, die islamisch orientiert ist.

Aus genau diesem Grund wird diese Form der Weltordnung in keinem der islamischen Länder, sei es Irak, Afghanistan, Ägypten, Saudi Arabien usw. die Erlaubnis für freie Wahlen erteilen.

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Die Denker der westlichen Welt bezeugen selbst, dass die Welt nach dem Sturz des Kommunismus wieder zwei Fronten hat. Die eine Front besteht aus der Vorherrschaft der Liberal-Kapitalisten unter Führung der USA und dem Zionismus.

Die andere Front zeichnet sich durch das Erwachen und Bewegung der Islamischen Welt aus. Man kann diesen Weckruf in verschiedenen Stellen der Islamischen Welt feststellen.

Kultur

Im Gebiet der Kultur verfolgt diese Weltordnung die Verbreitung der Kultur der Modernität, d.h. des „amerikanischen Lebensstils“ auf der gesamten Welt. Globalisierung in diesem Sinne ist die Verwestlichung und Amerikanisierung aller Kulturen.

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Während im Gebiet der Wirtschaft und der Politik klar ist, welche Ziele verfolgt und welche Methoden eingesetzt werden, verhält es sich im Gebiet der Kultur komplexer. Daher ist es wichtig die Kriterien für die Kultur der amerikanischen Werte, welche über die Welt gestülpt werden sollen, ein wenig genauer zu beleuchten:

  1. Verfall von Moral: Obwohl Morallosigkeit seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte existiert, ist es bisher von der Öffentlichkeit verborgen gehalten worden. Dies hat sich mit der Neuzeit als neues Phänomen geändert. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wird Unsittlichkeit und Morallosigkeit die Basis von wissenschaftlichen Theorien, mit dem Ziel den Vorhang des Schamgefühls einer Gesellschaft herunterzureißen. Das Ergebnis ist das öffentliche Bekenntnis zum moralischen Verfall.
  2. Verschwendung und Wucher

Dieser Weltordnung nach geht die kulturelle Globalisierung mit der Verbreitung der Kultur der Modernität einher. Ihrer Ansicht nach teilt sich die Menschheit in die „Treibenden“ und „Getriebenen“ ein. Der Westen sieht sich selbst demnach in der Rolle des Treibenden. Nach ihrem Verständnis handelt es sich um eine kulturelle Einbahnstraße, bei dem die gesamte Menschheit Ihr folgen muss. Manche früher, manche später. Dabei stellt man eine verblüffende terminologische Ähnlichkeit zum einstigen Kommunismus fest.

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Denn die Vertreter des Kommunismus sagten: „Die Ära des Kommunismus und Sozialismus ist mit absoluter Sicherheit das Endziel der Menschheit. Unsere Ideologie läuft vorne weg und der Rest der Menschheit ist gezwungen uns hinterherzulaufen. Sie müssen uns irgendwann erreichen, ansonsten werden sie zugrunde gehen.“

An der radikalen und selbstverherrlichenden Terminologien erkennt man genau die faschistische Logik, die man von z.B. Mussolini, Stalin oder Hitler kennt.

Welche Kultur hat das Recht auf Globalisierung?

Nachdem die Absicht des liberalen Kapitalismus im Kontext der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Globalisierung erläutert wurde, stellt sich nun die Frage, ob überhaupt eine Kultur das Recht und den Anspruch auf Globalisierung haben kann.

Um diese Kernfrage zu beantworten, müssen die Kriterien und Eigenschaften solch einer Kultur definiert werden. Nach der Auffassung von Prof. Rahimpour sind es u.a. folgende Kriterien:

  1. Ziel: Suche nach Wahrheit steht im Mittelpunkt, nicht Reichtum und Macht über die Welt.
  2. Menschenbild: Menschen sind Wesen mit Würde und keine Ware.
  3. Motivation: Menschen sind vernünftige Wesen und keine triebgesteuerten Wesen.
  4. Natürliche Veranlagung: Gerechtigkeit, Wahrheitssuche und Streben nach Vollkommenheit sind natürliche Veranlagungen des Menschen und werden dementsprechend respektiert.

Anhand dieser Kriterien kann die Eingangsfrage des Kapitels noch mal gestellt werden:

  • Hat eine Kultur, die nicht die Wahrheit, sondern die Macht und den Reichtum als Hauptziel des Lebens, der Wissenschaft und der Politik betrachtet, das Recht globalisiert zu werden?
  • Hat eine Kultur, welche die Menschen und die Welt aus dem Blickwinkel des eigenen Vorteils betrachtet, das Recht globalisiert zu werden?
  • Hat eine Kultur, die sowohl die Welt als auch die Menschen frei von einem Wertemaßstab akzeptiert und moralische Werte nur auf die Privatsphäre und dem individuellen Geschmack reduziert, das Recht globalisiert zu werden?
  • Hat eine Kultur, die die Toren zur richtenden Moral schließt, das Recht globalisiert zu werden?

Wie man unschwer erkennen kann, entpuppen sich die angepriesenen Werte, die unter dem Deckmantel der Demokratie, dem Pluralismus und der Toleranz versteckt werden, als Kriterien einer totalitären Ideologie.

Der Westen hält die Muslime an, ihre Werte und Gesetze mit Zweifel und Relativität zu betrachten. Wird jedoch die kapitalistische Modernität konfrontiert, so entlarvt sich die westliche Kultur als eine dogmatische und geschlossene, die der Menschheit ihren Stempel aufdrücken will.

Aktuell verfolgen sie das Ziel, eine weltweite Monopolstellung hinsichtlich Macht, Reichtum und Technologie einzunehmen. Die Absicht der Globalisierung ist demnach, die Kontrolle der gesamten Welt in Form einer Weltpolizei innerhalb der neuen Weltordnung. Daher ist es unabdingbar, dass sie die gesamte Welt mithilfe der Kultur der Modernität in die Richtung des Westens zu lenken.

Ihr Eingriff geht sogar so weit, dass sie den Menschen vorschreiben, wie die Religion und im speziellem der Islam zu verstehen ist. Im Klartext heißt das: Nur die Grundsätze des Islam sollen akzeptiert werden, die mit dem kapitalistischen Liberalismus im Einklang sind. Es sollte daher keine Überraschung sein, dass die Weltreligion Islam die gegenteilige Position dazu einnimmt.

Der Islam ist eine Religion, bei dem der Gesandte Gottes (Friede sei mit Ihm und seiner reinen Familie) für die gesamte Menschheit und nicht für ein spezielles Volk auserwählt wurde. Die Ziele des Propheten betreffen die gesamte Welt und zeichnen sich vor allem durch Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Würde und Tugend aus. Ihr Ziel ist nicht die Eliminierung der Menschenrechte.

In einem Abschnitt des Bittgebets, das dem Prophet für den heiligen Fastenmonat „Ramadan“ herab gesandt wurde, wird gesagt: „…Allah unser! Bereichere alle Armen. Allah unser! Sättige alle Hungrigen. Allah unser! Kleide alle Unbekleideten …“

Diese Religion enthält u.a. weltliche und menschliche Forderungen, die sie automatisch zur Gegenseite des kapitalistischen Liberalismus erklärt.

Welche Religion wird im liberalen Kapitalismus akzeptiert und welche Religion wird bekämpft?

Wenn in diesem Artikel die Rede von Islam ist, dann nicht als Gegenspieler des Christentums. Obwohl in der westlichen Bevölkerung viele Christen leben und die Zivilisation Spuren des Christentums enthält, ist sie dennoch säkular und von ihrer Natur her nicht religiös aufgebaut. Daher wird das Christentum auch nur in einem privaten, abgeschlossenen und sehr begrenzten Rahmen akzeptiert. An diesem Punkt lassen sich Merkmale für eine Religion ableiten, die im liberalen Kapitalismus geduldet werden:

  1. Keine Gesetze und kein Eingriff in die Gesellschaft: Die Religion darf keine Ansprüche  und Gesetze für eine Gesellschaft haben. Daher ist eine Religion und insbesondere der Islam, wenn sie Anspruch auf eine gesellschaftliche wirtschaftliche und politische Doktrin hat, nicht akzeptabel für das Projekt der neuen Weltordnung.
  2. Kein Wahrheitsanspruch: In der heutigen Zeit wird nur jene Religion akzeptiert, welche keinen Wahrheitsanspruch für ihre Glaubensgrundsätze erhebt. Mit anderen Worten muss die Religion akzeptieren, dass ihre Sprache nur Experten verstehen können. Gleichzeitig muss sie akzeptieren, dass ihre Sprache weder klar ist, noch frei von widersprüchlichen Interpretationen. Das bedeutet: Sie ist nicht in der Lage zu richten.
  3. Relativität von Recht und Unrecht: Die Religion sollte akzeptieren, dass Recht und Unrecht relativ sind und vertragsbasiert, d.h. individuell ausgestaltbar.
  4. Keine Standhaftigkeit: Die Religion sollte akzeptieren, dass sie nicht auf ihre Glaubensgrundsätze besteht und in diesen auch nachgibt.

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Mithilfe des Pluralismus, Relativismus, Toleranz und in Anlehnung an einige hegemonische Ausrichtungen verfolgt die neue Weltordnung die Absicht, dem Islam genau diese Merkmale aufzudrücken. Die Hegemonie wird nur die Religion akzeptieren, die zwischen weltlichen und spirituellen Angelegenheiten trennt. In der Praxis lehrt diese Form der Religion ihren Anhängern z.B. am Sonntag in die Kirche oder am Freitag in die Moschee zu gehen und religiös zu sein. Aber in ihrem alltäglichen Leben und in den Angelegenheiten wie Wirtschaft, Politik und Kultur sollen sie nicht den religiösen Lebensstil verfolgen.

Diese Lebensweise steht jedoch im totalen Gegensatz zur Lebensweise des Propheten (Friede sei mit Ihm und seiner reinen Familie). Er hat in allen Belangen des Lebens – von der Ehe bis zum Krieg – stets den Geist des Glaubens leben lassen.

Wieso will die westliche Hegemonie den Islam beschneiden?

Auf der Suche nach den Gründen für die Beschneidung des Islams durch die westliche Ideologie erkennt man Folgendes:

  1. Ein Islam ohne Doktrin ist sehr gut kontrollierbar.
  2. Der Westen ist nur mit dem europäischen Christentum vertraut und kann dementsprechend nur mit diesem Verständnis vom Glauben urteilen.

Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang ist: „Warum ist der Westen zu diesem Urteil gekommen und hat dieses Verständnis vom Glauben?“

Der heilige Koran weist auf einige der Gründe hin. Er sieht die Hauptverantwortung für dieses Religionsverständnis bei den Gelehrten des Juden- und Christentums. An einer Stelle wird auf die Verderbnis der Gelehrten vorheriger Religionen eingegangen. Es wird darauf hingewiesen, dass sie die göttliche Offenbarung veränderten und eigenhändig Inhalte, unter dem Vorwand es käme von Gott, beigemischten. An einer anderen Stelle sagt der Koran, dass diese Gelehrten sich davon abgewandt haben Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren.

Sie haben die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung, die Korruption und die Unzucht gesehen aber nach Rechtfertigungen gesucht, um sie mit der Religion zu vereinbaren. Sie haben all diese Verderbnis akzeptiert, damit sie persönlich keinen Schaden davon tragen.

Die vorherigen Religionen waren verzerrt und haben die Kraft verloren, eine Gesellschaft zu strukturieren. Die Trennung von Gesellschaft und Religion war die natürliche Konsequenz, denn mischt sich Aberglaube in die Religion ein, dann ist der einzige Ausweg zum Schutz der Religion ihre Trennung von der Vernunft und dem Verstand. Wenn Korruption in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eindringt, dann ist der einzige Weg für ihre Rechtfertigung die Trennung von all den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich und nachvollziehbar, dass der Säkularismus die sichere Zukunft des europäischen Christentums war. Daher muss die islamische Welt sehr vorsichtig sein, dass dieses Unheil, welches über das Juden- und Christentum gekommen ist, nicht über den Islam einbricht.

Von außen betrachtet erscheinen die die letzten fünf Jahrhunderte des westlichen Christentums plausibel und relativ vernünftig. Man kann die persönliche und ideologische Reise der „Person“ nachvollzielen, auch wenn es aus islamischer Sicht nicht korrekt erscheinen mag. Die Kultur war zwar religiös, aber fundamentalistisch und anhängerbasiert.

Sie erlitt im 15 und 16 Jahrhundert mit der Berührung der Islamischen Welt etappenweise Niederlagen, bis sie letztlich zum Einsturz kam. Die Islamische Welt brachte im Mittelalter Rationalismus, mystische und religiöse Spiritualität, Menschenrechte und Humanismus nach Europa. Jedoch hatten Rationalismus und Humanismus weder eine materialistische Natur, noch waren sie von der Religion getrennt. In der Islamischen Welt haben all diese Elemente unter dem Schirm des Monotheismus und des islamischen Rechts gewaltet.

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Im 17. Jahrhundert formierten „atheistische“ Denker im Westen ihr Gedankengut. Das 18. Jahrhundert war durch „Freiheit“, „Aufstand“ und „Revolution“ geprägt. Im 19. Jahrhundert entwickelte der Westen bekannte Ideologien wie den Faschismus, Stalinismus und Liberalismus. Im 20. Jahrhundert sind die Ideologien in der Praxis auf den Prüfstand gestellt worden.

Die Ergebnisse dieser Ideologien waren u.a.:

  1. Spirituelle Sackgasse und Zweifel
  2. Moralische Verderbnis
  3. Klassenunterschiede

Im Streit zwischen dem christlich-feudalistischem Europa und der westlich-atheistischen Modernität nimmt der Islam keine der beiden Seiten ein. Damit ist nicht gemeint, dass dieser Streit den Islam nichts angeht. Das heißt lediglich, dass in bestimmten Fällen die traditionell-christliche Kultur den islamischen Werten näher ist, in anderen Fällen die Kultur der Modernität, und in manchen Fällen distanziert sich der Islam von beiden Richtungen.

Der Islam ist ein Glaube, bei dem sich Vernunft, Spiritualität und Gerechtigkeit vereinen. Während sich die islamische Vernunft unter dem Dach der Offenbarung wiederfindet, basiert der westliche Rationalismus auf Religionslosigkeit. Die islamische Gerechtigkeit ist mit der göttlichen Gesetzgebung verschmolzen. Weder die islamische Gesetzgebung noch Menschenrechte und Humanismus basieren im Islam auf Materialismus und Atheismus, sondern auf Monotheismus.

Die Spiritualität des Islams ist weder die Spiritualität des Buddhismus, die keinen Bezug zum praktischen Leben hat, noch eine neumodisch spirituelle US Mystik, die auf mehr oder weniger Zeitvertreib mittels LSD und Marihuana basiert. Die inhaltsleeren Ideale der US Mystik findet man in diversen Hollywood Filmen wieder, die u.a. eines der stärksten Kanäle dieser Spiritualität sind.

Daher erhebt der Islam den Anspruch eine globale und allgemeingültige Religion zu sein, dessen Lehren weder zeit- noch raumbegrenzt sind. Der Anspruch auf Globalisierung und ewige Gültigkeit wird durch das Verständnis, dass Muhammad (Friede sein mit Ihm und seiner reinen Familie) der abschließende Prophet und der Islam die letzte Religion ist, gestärkt.

Was hat die Globalisierung in der Neuzeit verursacht und welche die Rolle spielte die Islamischen Revolution im Iran?

Nach der osmanischen Herrschaft wurde die Islamische Welt in viele verschiedene Nationen eingeteilt. Die islamischen Länder wurden zwischen England, Frankreich, Russland und später den USA aufgeteilt. Die „Linien“ zwischen den islamischen Ländern waren mit der Absicht gezogen, dass „die Glut unter der Asche“ immer glüht. Dieser Ansatz ermöglichte den säkularen und abhängigen Staaten ethnische, nationalistische und machtgetriebene Kriege zwischen den Muslimen anzustiften und zu entfachen.

Ein Beispiel für das obige Model kann man an der Pahlavi Dynastie im Iran erkennen. Hierbei wird nicht auf den britischen und später US amerikanischen Einfluss in die Iranische Politik, Wirtschaft und Kultur eingegangen, sondern auf die nationalistische Strategie der vom Westen installierten Pahlavi Familie.

Sie versetzte den Fokus der iranischen Geschichte auf die vorislamische Zeit der Königreiche. Dadurch verlagerte sie den Mittelpunkt der iranischen Geschichte vom heiligen Propheten (Friede sei mit Ihm und seiner reinen Familie) auf die persischen Könige. Diese Lehre wurde den Iranern, vor allem aber der Jugend eingetrichtert. Die Indoktrination durch den „Pan-Iranismus“ sollte die Iraner langsam aber sich dazu verleiten, sich selbst als bessere Ethnie zu sehen. Und das, obwohl der Iran zu der damaligen Zeit eines der unfähigsten und abhängigsten Länder der Islamischen Welt war.

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Dieselbe Strategie und Methodik wandte Atatürk in der Türkei mit dem „Pan-Türkismus“ an. In den arabischen Ländern nannte es sich „Pan-Arabismus“. Diese Strategie, also die Anlehnung an den Nationalismus und der ethnischen Zugehörigkeit wurde auch in anderen Ländern der Erde umgesetzt, mit dem Ziel Kriege unter den verschiedenen Nationen anzustiften.

Eine weitere Methode der Engländer war die Errichtung neuer Religionen bzw. die Schaffung radikaler religiöser Richtungen. Der Gedanke des „Takfirismus“, also der Bezeichnung eines Muslims als Abtrünnigen, wurde in den islamischen Ländern implementiert. Den Menschen wurde eingetrichtert, dass jede andere Ausrichtung des Islams ihr natürlicher Feind sei, und daher getötet werden sollte.

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Zwischen den islamischen Rechtsschulen („Hanefiten“, „Shafiiten“, „Malikiten“, „Hanbaliten“, „Dschafariten“) und anderen Derivaten existieren Unterschiede u.a. in Sachen Logik und Rechtswissenschaften. Jedoch dürfen diese Unterschiede nie die Stufe von „Dialog und Debatte“ übersteigen.

Die Feinde des Islams wissen sehr genau, wie man die verschiedenen islamischen Strömungen gegeneinander aufhetzen kann. Im Iran wurden damals z.B. die sunnitischen Geschwister als Leugner der Ahlulbayt (Friede sei mit ihnen) kategorisiert und damit als Ungläubige abgestempelt.

Mit dem Widerstand gegen die Tyrannei und dem Eintritt der Islamischen Revolution im Iran, stellte Imam Ruhollah Chomeini (Friede sei mit Ihm) diese Werte auf den Kopf. Er teilte allen Menschen mit, dass die Rechtsschulen des Islams Muslime und Geschwister sind.

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Der Imam sagte: „Unabhängig von der Einheit der Muslime ist Nationalismus eine Form der Götzendienerei, denn in der islamischen Kultur sind alle Muslime die Diener Gottes und alle Stammes- und Nationalgrenzen sind erfunden und erlogen“.

Der Imam verdeutlichte: „Unsere Revolution ist weder eine iranische noch eine schiitische Revolution, sondern eine Revolution des Islam in der gesamten Welt“.

Er hob hervor: „Überall da, wo es in der Islamischen Welt Unterdrückung gibt, gibt es Widerstand, und überall wo es Widerstand gibt, werden wir sein!“

Aus diesen und anderen Gründen definierte der Imam den Quds-Tag als einen Tag der Einheit aller Muslime und platzierte Ihn am letzten Freitag des heiligen Monats Ramadan.

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Dieser Artikel wurde von der UISAE (Union of Islamic Students Associations in Europe) auf Basis von Vorträgen Prof. Rahimpurs verfasst. Der Autor ist der Redaktion von Offenkundiges namentlich bekannt.

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