Wie können wir gemeinsam junge gefährliche Fanatiker verhindern?


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Wenn aus Sicht von labilen ungefestigten Jugendlichen alle Erwachsenen unaufrichtig erscheinen, Politiker heucheln, Journalisten lügen und die großen Verbände des Islam in Deutschland einige Grundwerte des Islam zu verraten scheinen, dann ist es nicht verwunderlich, wenn sie sich Alternativen suchen.

Der Islam ist für einen praktizierenden Muslim die ideale Religion, der ideale Weg zur Liebe Gottes und der ideale Pfad zur Gnade. Der Prophet des Islam ist die Gnade für die Welten. Er ist das erste erschaffene Licht. Aber um welchen Propheten handelt es sich dabei? Ist es der Unmensch, den die Islamhasser vorstellen? Oder ist es die gelebte Gnade, den Muslime eigentlich vorstellen sollten? Junge Menschen neigen dazu, das ohnehin idealistische Denken auf die Spitze zu treiben, was oft zu einer undifferenzierten Schwarz-Weiß-Malerei führen kann, insbesondere bei labilen Jugendlichen. Wenn dann mehr als deutlich wird, dass die Politiker heucheln, die Journalisten Lügen verbreiten und die großen Verbände des Islam mit offensichtlich unislamischen Aspekten in den Medien erscheinen, dann ist es kein Wunder, wenn sich die Jugend abwendet und nach Alternativen sucht.

Nach den Terroranschlägen in Paris waren sich – Gott sei Dank – alle Muslime in Deutschland einig. Unabhängig davon ob Sunniten oder Schiiten, unabhängig davon, welches Herkunftsland eine Gemeinde dominiert, unabhängig von der Generation, Alter, Geschlecht und anderen Aspekten haben alle Muslime die Terroranschläge unmissverständlich und in der gebotenen Deutlichkeit verurteilt. Es waren Verbrechen, die zu verurteilen sind! Die Muslime waren sich einig mit Nichtmuslimen und alle standen scheinbar zusammen. Doch damit hörte dann aber die Gemeinsamkeit leider auch schon auf. Und die Jugendlichen, die sich noch ein einem Meinungsbildungsprozess befinden, konnten eigentlich nur verwirrt sein.

Zuerst waren da die plötzliche Hektik und der Aktionismus der Politik, die viele „Islamisten“ ins Visier der medienwirksamen Fahndung zogen. Der Syrienrückkehrer sollte jetzt die Gefahr darstellen. Dabei waren die allermeisten Syrienrückkehrer zurückgekehrt, weil sie den unislamischen Charakter der Geschehnisse in Syrien nicht mehr ertragen konnten. Als sie dorthin geschickt wurden (von wem auch immer), stand die Westliche Welt an ihrer Seite. Assad war zum neuen Hitler ausgerufen. Ausgerechnet der Diktator der Region, der noch ein gewisses Maß an Mitbestimmung erlaubt hatte, der einen Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften ermöglicht hatte und als einziges arabisches Land im Widerstand gegen die Verbrechen des Zionismus stand, sollte der neue Bösewicht der Menschheit sein. Zur gleichen Zeit aber pflegte man die besten Beziehungen zu den lupenreinen Diktatoren aus Saudi-Arabien, den Scheichtümern und Jordanien. Was also hatte Assad getan, dass er auf der Abschussliste stand, und was unterschied ihn im negativen Sinn von Saudischen Königen, dass diese weiterhin mit westlicher Waffengewalt geschützt werden? Die Antwort war einfach: Saudi-Arabien hat sich mit Haut und Haaren dem Westen unterworfen, Syrien nicht. Saudi-Arabien befolgt jeden noch so unmenschlichen Befehl der Westlichen Welt, unterstützt die IS-Terroristen, flutet den Ölmarkt, falls es die Kapitalisten wünschen, und veröffentlicht einen Steinzeit-Islam, um den Islam weltweit zu diskreditieren. Assad hat all das nicht getan. Er stand sogar auf der Seite der Russen, was derzeit ja als Schwerstverbrechen gilt in der Westlichen Welt. Und wegen der Nichtunterwerfung Assads, soll er bestraft werden. Millionen Syrer werden stellvertretend für ihn bestraft.

Der Syrienheimkehrer hat einige dieser Zusammenhänge verstanden. Der jugendliche Fanatiker in Deutschland aber noch nicht. Er versteht nur, dass die westliche Politik einfach nur dreckig ist. Da fällt mir eine Szene mit Imam Chomeini ein, als er im Gefängnis des vom Westen gestützten Schahs saß und Regierungsbeamte zu ihm kamen, um ihn zu überzeugen, dass er sich nicht in die Politik einmischen sollte. Sie argumentierten damit, dass die Politik so schmutzig sei, dass solch eine Heiligkeit wie er (Imam Chomeini) sich seine Hände nicht damit beschmutzen solle. Imam Chomeinis Antwort war sinngemäß: Die Politik ist so schmutzig, weil wir sie Leuten wie Euch überlassen haben.
Ist das nicht auch heute in Deutschland der Fall? Und merken nicht immer mehr Menschen, dass irgendetwas mit dieser Politik nicht stimmt, sie einfach nur schmutzig ist? Aber auch die Herrschaftseliten merken natürlich, dass die Bevölkerung das merkt. Und daher musste der Unmut auf einen Sündenbock umgelenkt werden. Leider sind diejenigen, die sich gegen den Unmut beschweren, offenbar selbst noch nicht reif genug, um gegen den Schmutz ernsthaft anzugehen. Wie kann man gegen eine dreckige Politik angehen, wenn man jemanden an der Spitze zulässt, der selbst Dreck am Stecken hat? Allein daran ließ sich erkennen, dass auch jene „Kanalisation“ des Unmuts auf den Sündenbock Islam von der dreckigen Politik selbst ausging. Und bei Bedarf wurde die Führung einfach „abgeschaltet“ mit einer Info, die aus einer Zeit stammt, lange bevor er „hochgehievt“ wurde.

Der junge Idealist sieht das alles, kann es aber noch nicht richtig einordnen. Schon zu allen Zeiten wurden junge Idealisten mit Fanatikern in die Irre geführt. Als junge Leute ein altes verkommenes System in den 70er Jahren bekämpften, erschien die Terrororganisation RAF, mit denen viele Jugendliche sympathisieren sollten. Jetzt haben „Islamisten“ diese Rolle, weil nur noch Muslime in der Welt ernsthaft gegen die Verbrechen des Kapitalismus und des Imperialismus aufstehen und ihren Unmut nicht gegen noch schwächere ausdrücken. Der junge Idealist möchte an der Seite der 30.000 Hungertoten stehen, die jeden Tag Opfer des Kapitalismus sind. Er möchte an der Seite der Unterdrückten in Nigeria stehen und gegen die Konzerne aufbegehren, die das Land ausplündern. Niemand erklärt ihm, dass Nigeria das Land mit dem größten Widerstand gegen die Kapitalismusverbrecher ist, weil dort die größten Zuwachsraten für Schia bestehen und deshalb die Boko Haram Terroristen dort von der Westlichen Welt installiert wurden. Ohnehin, das System von Verschwörung und Gegenverschwörung ist so kompliziert, dass es teilweise die Verschwörer selbst nicht mehr verstehen, wie soll es da der einfache Jugendliche tun?

Er sucht Halt bei den Moscheen und Verbänden in Deutschland. Aber die verhalten sie nach den Attentaten von Paris aus seiner Sicht äußerst merkwürdig. Ein Verband hat es für besonders wichtig erachtet, als allererster sich mit Kanzlerin und Präsidenten zusammen in Szene zu setzen. Dabei wurde dann mehrfach die Aussage „Wir sind Charlie“ skandiert. Aber ist das wirklich akzeptabel aus islamischer Sicht? Darf ein Muslim sich auf die Seite derjenigen stellen, die den Islam öffentlich und wiederholt verunglimpfen, übelsten Dreck auf die Heiligkeiten aller Religionen schleudert und das mit der Meinungsfreiheit rechtfertigt? Ist es islamisch, auf der Seite von Unterdrückern zu stehen, die mit der Macht ihrer Publikationen ganze Bevölkerungsgruppen unterdrückt und verächtlich gemacht hat? Das schreckt den Jugendlichen ab. Er hat nicht das Differenziervermögen zu erkennen, dass, selbst wenn hier einige Verbandsfunktionäre einen Fehler begangen haben, das nicht bedeutet, dass alles falsch ist, was in dem Verband gemacht wird. Er weiß nicht, dass es in dem Verband selbst Widerstand gegen jene „Ich bin Charlie-Hysterie gab und gibt!

Eigentlich will der Jugendliche auch die Terroranschläge verurteilen. Aber er will sich nicht an die Seite derjenigen stellen, die selbst Unterdrücker sind bzw. waren. Die Tatsache, dass Menschen ermordet werden, macht sie nicht zu Helden der Menschlichkeit. Es macht sie zu Opfern von Tätern, aber wenn sie zuvor in anderem Maß Täter waren, dann darf das nicht unter den Tisch gekehrt werden. Der jugendliche Heißsporn wendet sich ab und gerät in die Fänge von Demagogen, Agenten oder Extremisten, die dann mittels missbrauchter Scheinargumente die Tötung gerechtfertigt haben. Der schwarz-weiß denkende Jugendliche erkennt sehr leicht, dass der Verband falsch gehandelt hat. Er wendet sich an die „Anderen“ und wird von denen verirrt. Er versteht dann bedingt durch eine Flut von Propaganda nicht, dass die Täter noch viel falscher liegen und – im Gegensatz zu den fehlerhaften Verbänden – große Verbrechen begangen haben. Das, was er an den Verbänden zu Recht kritisieren würde, findet aber keinen Widerhall in den Medien. Die wollen so tun, als wenn alle vernünftigen Muslime im Land auf der Seite von Charlie stehen. Das nimmt dann teilweise Ausmaße an, die geradezu grotesk wirken:

Ein anderer Verband, der offensichtlich auch einmal in den Medien erscheinen wollte, stellte sich symbolisch vor das Springer-Haus, um dieses zu schützen. Damit sollte zum Ausdruck kommen, dass die Meinungs- und Pressefreiheit auch vom Islam geschützt wird. Ein Jugendlicher, der sich halbwegs für die Medienlandschaft in Deutschland interessiert hat (ob Muslim oder nicht), wird die Welt nicht mehr verstehen. Ist nicht das Springer-Haus Quelle der Zeitung, die von vielen Menschen als das größte mediale Verbrechersyndikat Deutschlands angesehen wird? Haben nicht einst Leute, die heute teilweise im Bundestag sitzen, auf den Straßen Deutschlands für die Enteignung von Springer demonstriert? Ja, der Islam verteidigt Meinungs- und Pressefreiheit, solange die Würde des Menschen nicht angetastet wird. Aber wenn ein Muslim das ernsthaft verteidigen will, dann darf er so ziemlich überall in Deutschland demonstrieren, nur nicht als Beschützer des Springer-Hauses. Das alles sieht der idealistische Jugendliche und denkt, dass die Verbände ganz offensichtlich nicht einmal das Einmaleins der islamischen Werte beherrschen. Das liegt unter anderem daran, dass die spirituelle Komponente des Islam in den Spitzengremien der Verbände genau so kurz kommt wie die theologischen Aspekte. Es liegt aber auch daran, dass der Jugendliche nur diese eine Aktion sieht, aber wenig Gelegenheit hat, die täglich sinnvolle Arbeit der Verbände zu beurteilen.

All das allein ist es aber nicht, was den Jugendlichen zu den sogenannten Salafisten treibt. Er lernt im Ideal, dass Prophet Muhammad die Gnade für alle Welten ist. Und er lernt, dass Lesen, Schreiben, Lernen usw. zu den wesentlichen Merkmalen eines aktiven Muslims gehören. Er will als deutscher oder deutschsprachiger Muslim aktiv sein und merkt, dass er mit der deutschen Sprache in den meisten Vereinen nicht weit kommt. Viele Vereine (unabhängig davon ob sunnitisch oder schiitisch) sind zumeist kulturelle Heimatverbände mit religiösem Anstrich. Alle Riten werden in der Herkunftssprache abgehalten, die sonstigen Aktivitäten sind in der Herkunftssprache und ein echter Dialog mit der Umgebung scheitert an Sprachproblemen. Dann geht jener Jugendliche zu den sogenannten Salafisten, die ihn in deutscher Sprache empfangen. Dort sieht er alle Aktivitäten in deutscher Sprache. Nur die notwendigen Riten sind in Hocharabisch (aber nicht Türkisch, Persisch, Urdu oder arabischem Dialekt). Alles andere erfolgt in Deutsch und er wird sofort integriert in die Arbeiten.

Doch auch das allein würde ihn wohl noch nicht zum Fanatiker machen. Denn er hat im Islam gelernt, dass es keinerlei Rassismus gibt. Er weiß, dass es im Islam eine ideologische Vorstellung ist, dass alle Menschen von Adam und Eva abstammen und daher alle verwandt sind. Der Beste unter den Menschen ist derjenigen, der sich Gottes Liebe am meisten zuwendet durch seine Gottesehrfurcht. Das hat er alles gelernt. Auch hat er gelernt, dass es zu den vorzüglichsten Handlungen eines Muslims gehört, dass er heiratet. So fragt er nach einer Partnerin und merkt schockiert, dass er kaum eine Chance hat. Manche Araber geben ihre Tochter noch nicht einmal einem anderen Araber, wenn er von einem benachbarten Dorf stammt! Der Türke lehnt den Iraner ab, der Iraner den Afghanen, der wiederum den Araber usw. Da geht der Jugendliche zu den sogenannten Salafisten und die haben keinerlei derartige Berührungsängste! Die betrachten den Jugendlichen als gleichwertig und haben die Gefängnisse von Herkunft und Sprache schon längst überwunden.

Solche Beispiele ließen sich wohl viele anbringen. Immer wieder sehen die etablierten Verbände mit ihren Kulturvereinen alt aus gegenüber den sogenannten Salafisten. Ist aber ein Verband nicht derart einschleimerisch (und solch einen Verband gibt es!), dann wird er mit Hilfe des Verfassungsschutzes weich gekocht und mundtot gemacht. Um nicht noch mehr aufzufallen und um nicht im nächsten Verfassungsschutzbericht noch mehr bestraft zu werden, trauen sich dann viele nicht manche Wahrheit öffentlich auszusprechen. Bei all den Terroranschlägen hat es kaum ein Theologe in Deutschland gewagt, die ebenfalls zu verurteilenden Terroranschläge z.B. im Jemen am gleichen Tag (dort wurden 30 unschuldige Jugendliche ermordet) anzusprechen. Und die wenigsten Theologen trauen sich noch die täglichen Verbrechen des Zionismus anzuprangern, ist das doch gleich ein Grund im Verfassungsschutzbericht zu erscheinen. Inzwischen ist es in Deutschland so, dass zahlreiche Juden die Verbrechen des Zionismus erheblich deutlicher und heftiger ansprechen, als es Muslime tun! Und so wundert sich ein Jugendlicher, warum ein Jude von der ethnischen Säuberung Palästinas spricht, aber kaum ein Muslim das Gleiche mehr wagt. Selbstverständlich spielen die sehr einseitigen Medien diesbezüglich auch eine entscheidende Rolle, die solche wahrhaftigen Muslime auch gar nicht mehr einladen zum Dialog!

So lange wir Muslime nicht in aller Offenheit das aussprechen, was wir als Wahrheit empfinden, und Vieles in uns herunterschlucken, so lange dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir einige der leichtgläubigen aber gutherzigen Jugendlichen verlieren. Bedauerlicherweise verlieren wir sie aber an Extremisten, die deren Leichtgläubigkeit für Verbrechen ausnutzen, die wiederum auf uns zurückfallen. Allein aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, klar die Wahrheit auszusprechen:

Das was in Paris geschehen ist, die Morde an den Satirikern und im Supermarkt waren schwere Verbrechen, es waren Verbrechen an Einzelpersonen und an der Menschlichkeit zusammen! Das vertreten wir Muslime voller Überzeugung!

Die Zeitschrift, die es getroffen hat, war eine Zeitschrift, die seit vielen Jahren Verbrechen gegen den Islam, die Muslime aber auch gegen die Christen begangen hat und diese unter dem Deckmantel von Satire verstecken durfte. Keinem Menschen ist es erlaubt, jegliche Form von Selbstjustiz auszuüben. Ein Muslim in der Westlichen Welt ist verpflichtet, die Gesetze des Landes einzuhalten! Aber genau jene Gesetzte erlauben es ihm auch darauf hinzuweisen, dass die Opfer der Terroranschläge zuvor Dinge getan hat, mit denen sich ein Muslim niemals verbünden kann und darf und die zumindest nach aktuellem deutschem Recht Straftaten waren.

Der Islam ist für Meinungs- und Pressefreiheit im Rahmen der Unantastbarkeit der Würde des Menschen, und daher müsste sich jeder Muslim gegen die Springer-Presse stellen, die die größte Gefahr für die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland darstellt, eine viel größere Gefahr, als sie von Einzelmördern ausgehen kann, so schwer ihre Verbrechen auch sein mögen.

Ein Staat wie Deutschland, ein Verfassungsschutz, der glaubt jene Kreise, die er beobachtet zu kennen, sollte niemals Muslime derart nötigen, etwas Falsches mitzutragen. Denn es schadet dem Staat, es schadet den Muslimen und treibt labile unsichere Jugendliche in die Arme von Terrorismusbefürwortern. Gott schütze uns alle davor.


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